Herausgeber:
Liechtensteiner Volksblatt 1878-2005
Volume count:
1933
Year of publication:
1933
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000064653_1933/7/
SerWliUl.dtt mmi Mo toill! 
O In Deutschland verfolgt män die 
französisch-amerikanische Diskussion über das 
Kriegsschuldenproblem mit besonderer Aus- 
merksamkeit. Jene amerikanische Zeitungs- 
stimmen, die Frankreich als einen Schuldner 
bezeichnen, der nicht zahlen will, obwohl er 
zahlen konnte, findet in deutschen Blättern 
ein zustimmendes Echo. Beweis hiefür ist u. a. 
der folgende Artikel eines Zentrumsblattes, 
dem der geneigte Leser das eine und andere 
Interessante entnehmen kann: 
„Die 3000 Massenversammlungen, die für 
Sonntag in den Vereinigten Staaten von den 
großen Parteien wegen der Weigerung von 
Frankreich seine Kriegsschuldzinsen zu zahlen, 
einberufen wurden und die massenhafte Ab- 
reise der Amerikaner aus Nizza und Süd- 
frankreich beweisen eindeutig, daß der Ge- 
gensatz zwischen Frankreich und Amerika tat- 
sächlich ganz ernsthafte Formen angenommen 
hat. Die Heuchelei, wie sie Frankreich jetzt an 
den Tag legt, indem es die Rolle des armen 
Mannes spielt, sagt den Amerikanern gar 
nicht zu; für sie genügt allein die Tatsache, daß 
in den französischen Stahlkammern ungeheure 
Goldmengen liegen, um daraus zu schließen, 
daß Frankreich zahlen könnte, wenn es woll- 
te. Außerdem verfolgen die Amerikaner ja 
schon seit Iahren die - Aufrüstung, wie sie 
Frankreich schon seit Jahren betreibt, und ihr 
nüchterner Sinn begreift es einfach nicht, wie 
man dem Staatshaushalt solche Milliardenzu- 
schüfse für das Heer zumuten kann und wie 
man andererseits seinen eingegangenen Ver- 
pflichtungen nicht nachkommen will. So sehr 
aber auch die Mittel, die man jahrelang der 
französischen Rüstung opferte, den franzöfi- 
schen Staatshaushalt belasten und eine Herab- 
setzung auf eine vernünftige Grenze wefent- 
lich zu seiner „Erholung" beitrüge, so kann 
man doch bei genauerem Zusehen einen Punkt 
nicht übersehen, der tatsächlich ungewollter- 
weise den französischen Staatshaushalt etwas 
in Unordnung gebracht hat: Die 
Fehlspekulation 
des französischen Kapitals! 
Es ist eine alte Gepflogenheit der sranzö- 
fischen Diplomatie, außenpolitische Eroberun- 
gen mit Hilfe des Geldfacks zu machen. Die 
Einkreisungspolitik gegen Deutschland vor 
dem Kriege war ein typisches Beispiel dafür. 
So hat Frankreich auch nach dem Kriege für 
die Verbundenheit im Osten große Staatsan- 
leihen auf den Kapitalmarkt gebracht, natür- 
lich gegen hohe Zinsen und politische Zusagen. 
Bis zum Jahre 1930 zeichnete der französische 
Sparer fleißig Staatsanleihen, bis er bei der 
wachsenden Unsicherheit in den Oststaaten 
ganz plötzlich und auch deshalb, weil die Stell- 
erschraube bedeutend angezogen wurde, keine 
Begeisterung mehr dafür hatte. Die Folge 
war, daß das Schatzamt feine Reserven zur Fi- 
nanzierung neuer Anleihen hergeben mußte, 
nur um außenpolitisch die Verbindung mit den 
Oststaaten weiter ausrechthalten zu können. 
Um die Kasse wieder zu füllen, schritt man 
nun dazu, die kurzfristigen Kredite in den 
anderen Staaten zu kündigen. Natürlich wie- 
der, um außenpolitisch einen Druck auf die be- 
treffenden Länder auszuüben. So beunruhigte 
man den Kapitalmarkt vor allem in Deutsch- 
land und Oesterreich. Schließlich wollte man 
England in die Klemme nehmen; das aber 
zog sich durch Aufgabe des Goldstandards gut 
aus der Affäre; zuletzt kamen auch die Verei- 
nigten Staaten an die Reihe, von wo damals 
große Goldmengen in die französischen Stahl- 
Kammern flössen. 
Die Goldanballung, die durch die maffen- 
hafte Rückzahlung der kurzfristigen Kredite 
bedingt war, zeigte aber 
unheilvolle Auswirkungen. 
Die Preise im Lande stiegen und die Folge 
war, daß die Waren für die Ausfuhr zu teuer 
waren, fodaß der Einfuhrüberschuß in der 
Handelsbilanz immer größer wurde. Man er- 
kannte bald, daß ein Mittel gefunden werden 
müsse, um diesen ungesunden Zustand zu be- 
heben und suchte sich dagegen zu wehren durch 
umfangreiche Kontingentierung, die 
den Interessen der französischen Ausfuhrindu- 
strie Rechnung tragen sollte. 
Ein Erfolg wurde aber damit nicht erzielt! 
Die Zahlungsbilanz, die 1930 noch mit S Mil- 
liarden aktiv war, war daher schon 1931 mit 
LH Milliarden passiv und wird in diesem 
Jahre voraussichtlich noch -stärker passiv sein. 
Die kurzsichtige Politik dÄ Goldhortung, die 
den von Grund ciuf ziemlich wohlhabenden 
französischen Bürger um seine Zinsen brachte, 
hat zu diesem verhängnisvollen Sinken der 
Zahlungsbilanz geführt, womit natürlich Hand 
in Hand geringere Steuereinnahmen gingen. 
Um den Ausgleich des Staatshaushaltes macht 
man sich deshalb jetzt Kopfzerbrechen und 
glaubt, eine Zahlung an Amerika nicht, vereint- 
worten zu können. 
Solange sich Frankreich dagegen sträubt, 
seinen Wehrhaushalt auf eine vernünf- 
tige Grenze herabzusenken, ist es natürlich 
schwer, der «cywierigkeiten, die nicht zuletzt 
durch die obengeschilderte Fehlspekulation her- 
vorgerufen wurden, Herr zu werden. 
W daher verständlich, wenn Amerika 
vorläufig auf der Zahlung der fälligen Kriegs- 
Neues V( 
Jugoslawien unternahm am Montag beim 
englischen Außenamt einen diplomatischen 
Schritt in Sachen der geplanten italienisch-al- 
dänischen Zollunion. In Londoner politischen 
Kreisen ist man der Ansicht, daß die interef- 
fierten Mächte das Gesuch Albaniens um Ge- 
stattung dieser Zollunion abgelehnt hätten.. 
Nach einer noch nicht bestätigten Sofioter 
Zeitungsmeldung soll in Bulgarien wegen der 
Sprengung des Regierungsblocks durch die 
Nationalliberalen die Proklamierung der Dik- 
tatur bevorstehen. 
Der König von Italien hat die Ernennung 
des neuen französischen Botschafters in Rom. 
Henry de Iouvenel, genehmigt. In Rom er- 
wartet man allgemein vom neuen Botschafter, 
daß es ihm gelingen werde, eine endgültige 
Klärung der französisch-italienischen Differen- 
zen herbeizuführen. 
In Berlin verlautet, daß der deutsche Reichs- 
tag am 17. Januar zur Entgegennahme und 
Besprechung der Regierungserklärung zusam- 
mentreten werde. Dem Reichskanzler soll in 
erster Linie darum zu tun sein, daß die Ratio- 
nalsozialisten ein klares Bekenntnis über ihre 
Stellung zur Reichsregierung ablegen. 
schuld b e h a r r t, zumal es in die Weltkrise. 
mithineingezogen, z. Regelung seines Staats- 
haushaltes alle Quellen, die ihm zur Verfü- 
gung stehen, erschöpfen muß. Ohne Zweifel 
wäre es ein großer außenpolitischer Fehler 
Frankreichs, wenn es bei seiner Zahlungsver- 
Weigerung bliebe und sich die Mißgunst 
Amerikas, deren erste Auswirkungen schon 
eingangs erwähnt wurden, zuziehen wollte. 
Wir glauben nicht, daß es die so gerissene 
französische Außenpolitik so weit kommen 
läßt und hoffen nur, daß es die zu zahlenden 
Millionen auch aus der Quelle nimmt, de- 
ren Verminderung auch im Interesse des Welt- 
friedens gelegen ist: aus dem aufgeblähten 
Heeresetat! Damit hätte dann wenigstens 
auch die Abrüstungskonferenz, die noch in 
Tätigkeit ist, einen ersten, wenn auch beschei- 
denen praktischen Erfolg gezeitigt. 
Aueland 
Der Völkerbundsrat tritt am 23. Januar 
in Genf zu seiner 70. Session zusammen. Er 
wird dabei u. a. den bolivianisch-paraguayi- 
schen Konflikt und den persisch-englifchen Oel- 
streit behandeln. 
Im Irischen Freistaat herrscht wegen der 
Auflösung des Dail Eireann starke Erregung. 
Man rechnet mit einem äußerst heftigen Wahl- 
Kampf. 
In Rumänien wurden ea. 260 Kommuni- 
sten festgenommen. 
Schmuggel in Panzerautos. 
K ö l n, 2. Jan. Im Weidgelände von Wemb 
gelang es den Zollbeamten nach einer länge- 
ren Verfolgung, die Insassen eines gepanzer- 
ten Personenautos zu verhaften, in welchem 
sich zehn Zentner Tabak und 20,000 Zigaretten 
befanden. Der Wagen, der von der holländi- 
schen Grenze herkam, fuhr gegen eine gefchlof- 
fene Barriere und überschlug sich. Bei den 
verhafteten Personen handelt es sich um einen 
Holländer und einen Polen. Man fand auf 
ihnen Schußwaffen mit Dumdum-Gefchofsen. 
Das Bombenattentat von Sofia aufge- 
klärt. 
Luxemburg, 2. Januar. Durch gericht 
liche Untersuchung wurde festgestellt, daß Eon- 
stantinoss, der in seiner Gefängniszelle am 
Tage der gegen ihn als Mörder des Pfarrers 
Koch angesetzten Schwurgerichtsverhandlun- 
gen erhängt aufgefunden wurde, auch das At- 
tentat in der Kathedrale von Sofia im Jahre 
1923 begangen hat, bei welchem durch eine 
Bombe mehr als 100 Personen getötet wur- 
den. 
Stürme über England. 
L o n d o n, 2. Jan. Während des Weekend 
wurden Irland, Westengland und Schottland 
von einem heftigen Sturm heimgesucht. Die 
Windstärke betrug 90 bis 96 Stundenmeilen. 
In Südirland wurde schwerer Schaden ange- 
richtet. Infolge starker Regenfälle traten die 
Flüsse über die Ufer. In mehreren Hafen- 
städten wurden die Hafenanlagen beschädigt 
und auf verschiedenen Bahnlinien der Verkehr 
unterbrochen. 
London, 3. Jan. Ueber dem Aermelka- 
nal wütet ein heftiges Sturmwetter. In der 
Grafschaft Northamtonshire wurden Bäume 
entwurzelt. 
Provisorische Freilassung Nicoles. 
G e n f, 3. Jan. Auf einen Bericht des Chefs 
der Allgemeinen Klinik des Kantonsspitals, 
Prof. Kummer, hin, hat der eidgenössische Un- 
tersuchungsrichter heute die provisorische Frei- 
lassung Nationalrats L. Nicole verfügt. Nicole 
wird die Erlaubnis erhalten, sich bis am 
Samstag in Genf aufzuhalten, um die not- 
wendigen Geschäfte zu erledigen, und muß sich 
dann nach Leyfsin begeben. Aus dein Bericht 
von Prof. Kummer geht hervor, daß der Ge- 
fundheitszustand Nicoles einen Aufenthalt 
im Gebirge erfordert. (Eine billige Ausrede!), 
>m Tage 
In den nächsten Tagen dürfte zwischen 
Reichskanzler General Schleicher und dem 
preußischen Ministerpräsidenten Braun eine 
Zusammenkunst stattfinden, in der, man die 
Möglichkeit der Rückkehr zu normalen Ver- 
hältnMn in Preußen besprechen will. 
Die. französische Regierung verbietet aus 
Ersparungsrücksichten die Neueinstellung von 
Beamten, Angestellten und Arbeitern im 
Staatsdienst und verfügt die Einschränkung 
der Rekiruteneinstellung für Heer und Marine. 
Die gesamte Finanzgebarung des Staates 
wird von nun an der Kontrolle der Obersten 
Rechnungskammer unterstellt. 
Die englischen Staatseinnahmen aus Zöllen 
und Steuern weisen in den letzten neun Mo- 
naten eine bedeutende Erhöhung aus. 
Der irische Landtag ist von de Valera aus- 
gelöst worden. Die Neuwahlen finden am 24. 
Januar statt. 
In den Kämpfen um die chinesische Stadt 
Schan Hai Kwan (an d. Eisenbahnlinie Tient- 
sin-Mukden) erblickt man auf chinesischer Sei- 
te den Beginn der japanischen Offensive in der 
Innern Mongolei (Provinz Jehol). 
Paßkontrolle für die Batikanstadt. 
V a t i k a n st a d t, 3. Jan. Nachdem der 
neue monumentale Eingang in die vatikani- 
schen Museen am Neujahrstag für das Publi- 
kum eröffnet wurde, wird jetzt an den übrigen 
Eingängen der Vatikanstadt eine Art Paß- 
Kontrolle eingeführt. Nur solche Leute, die 
einen Ausweis der vatikanischen Behörden 
oder eine von Fall zu Fall von den Beamten 
auszustellende Bewilligung haben, erhalten 
den Zutritt zur Vatikanstadt. 
Zur Lage in Irland. 
Der Oberbürgermeister von Dublin, Byrne, 
hat ein Exposee über die Ziele der gegenwär- 
tig in Bildung begriffenen neuen irischen na- 
tionalen Partei abgegeben. Diese Partei be- 
zweckt die Beendigung des Wirtschaftskrieges 
mit Großbritannien und die Wiederherstel- 
lung der freundschaftlichen Beziehungen mit 
diesem Lande auf dem Gebiete des Handels- 
verkehrs. Schließlich erstrebt diese Partei ei- 
ne Vereinigung Nord- und Südirlands auf 
dem Wege einer unerzwungenen Ueberein- 
kunft. 
Politischer Massenmord. 
Valparaiso (Provinz in Chile), 3. Jan. 
Ein Taucher entdeckte im Hasen zehn mit Ei- 
senschienen beschwerte Leichen. Man vermu- 
tet, ,dafe es sich um einen politischen Massen- 
mot$ handelt. Unter den Toten befand sich 
auch der seit Juli vergangenen Jahres ver- 
schwundene kommunistische Führer Professor 
Anabalon, der während der Regierungszeit 
Davilas eine hervorragende Rolle spielte. 
Zum Kriegsschuldenproblem. 
N e w y o r k, 3. Jan. Zwanzig bekannte 
amerikanische Wirtschaftler haben an den neu- 
en Präsidenten Roofevelt die Aufforderung ge- 
richtet, das Kriegsschuldenproblem einer sofor- 
tigen Lösung entgegenzusühren, um dadurch 
zur Wiederherstellung des Goldstandards und 
zur Senkung der internationalen Zollmauern 
beizutragen. Die Zölle müßten gesenkt wer- 
den, damit Amerika seine Landwirtschafts- 
erzeugniffe ausführen und mehr Industrie- 
Produkte fremder Länder einführen könne, um 
so seinen Gläubigern die Rückzahlung der 
früher gegebenen Kredite zu ermöglichen. 
Das amerikanische Budgetdefizit. 
Washington, 3. Jan. Ogden Mills 
schätzt das Defizit im Budget der Vereinigten 
Staaten für den 30. Juni 1935 auf eine Mil- 
liarde 146 Millionen Dollars. Um den Bud- 
getausgleich herbeizuführen, beabsichtigte Hoo- 
ver eine Milliarde 830 Millionen Dollars Er- 
sparnisse in der Hauptsache durch die Herab- 
setzung der Gehälter und Pensionen um 11 
Prozent durchzuführen. 
Arbeitslosigkeit in Amerika. 
N e w y o r k, 3. Jan. Die Zahl der Arbeits- 
losen beträgt nach vorsichtiger Schätzung in 
den Vereinigten Staaten etwa zwölf Millio- 
nen. Im Staate Newyork sind, nach offiziel- 
len Mitteilungen, allein 1 Million 750 Perso 
nen arbeitslos. 
Auflösung des Dail Eirean. 
D u b l i n, 3. Jan. Die Regierung des iri- 
schen Freistaates kündigt in den frühen Mor- 
genftunden des Dienstags die Auflösung des 
Dail Eirean und die Ausschreibung von Neu- 
wählen für den 24. Januar. De Valera sucht 
durch diese Maßnahme offenbar den parlamen- 
tarifchen Schwierigkeiten zu entfliehen, die 
durch den Konflikt zwischen der Regierung u. 
dex Arbeiterpartei in der Frage der Lohn- 
uyd Gehaltskürzungen entstanden sind. Trotz- 
dM die irische Arbeiterpartei nur sieben Ab- 
geordnete hat, hing von ihren Stimmen doch 
daq Schicksal der Regierung ab. Man rechnet 
daylit, daß die Arbeiterpartei bei den Neu- 
wählen überhaupt keinen Parlamentssitz mehr 
erhalten wird und schätzt die Aussichten de Va- 
lqrps, mit starker^ Mehrheit wieder die Regie- 
rüng zu übernehmen, recht günstig ein. 
Ultimatum für Tschang Hsüe Liang. 
T o k i o, 3. Jan. Von japanischer Seite wur- 
de an Marschall Tschang Hsüe Liang ein aus 
24 Stunden befristetes Ultimatum gerichtet, in 
dem von den Chinesen eine „befriedigende Re- 
gelung" verlangt wird. Falls diese Forderung 
nicht erfüllt werde, müsse Japan die „erfor- 
derlichen Maßnahmen" ergreifen. Marschall 
Tschang Hsüe Liang hat die von Japan ge- 
forderte Zurückführung der chinesischen Trup- 
pen aus dem Kampfgebiet abgelehnt. Die Chi- 
nesen ziehen in aller Eile -Verstärkungen zu- 
fammen, darunter sechs Brigaden in der Pro- 
vinz Jehol. 
Das irische Parlament aufgelöst. 
Dublin, 3. Jan. Das irische Parlament 
ist am Montag abend ausgelöst worden. Die 
Kammerneuwahlen werden am 24. Januar 
stattfinden. 
Neue Kämpfe im Fernen Osten. 
S ch a n g h a i, 3. Jan. In Schang Hai-Kuan 
hat das Gewehrseuer zwischeck^Chinesert ünA 
Japanern erneut eingesetzt. Wie aüs'LieÄ-' 
sin gemeldet wird, wurden auf Schang Hai- 
Kuan aus japanischen Militärflugzeugen 12 
Bomben abgeworfen. Vier Feldkanonen be- 
schössen die Stadtmauern. Japanische und 
mandschurische Truppen sollen den Bahnhos 
von Schang Kai-Kuan besetzt halten. Eine ge- 
mischte Abteilung japanischer und mandschurt- 
scher Truppen in der Stärke von 3000 Mann 
bereitet den Vormarsch auf Chin Wang-Tao 
vor, einer Stadt, die innerhalb der Großen 
chinesischen Mauer liegt. Der Kommandant 
der lokalen chinesischen Truppen ließ dem ja- 
panischen Kommandanten einen zweiten Pro- 
test gegen den japanischen Angriff zukommen. 
Columbien und Peru. 
P a r a, 3. Jan. Die columbische Aktion ge- 
gen die Besitznahme von L o t i t i a durch die 
Truppen Perus hat begonnen. Die früheren 
französischen, neuerdings in den Besitz von 
Columbien übergegangenen drei Transport- 
schiffe haben Para verlassen» um sich nach Lo- 
titia zu begeben. Die französischen Schisfsbe- 
fatzungen, die die Dampfer von Europa ge- 
bracht haben, sind von Bord gegangen und 
werden in die Heimat gebracht. Zwei weite- 
re Transportschiffe werden im Laufe der Wo- 
che in Para erwartet. 
Entflohen. 
Madrid, 3. Jan. 29 politische Gefangene 
sind von Villa Cisneros in Provinz Rio bei 
Oro geflohen. Es gelang den politischen Ge- 
sangenen an Bord eines fremden Dampfers zu 
gelangen, der nach den kanarischen Inseln ab- 
gefahren ist. 
Bolivien und Paraguay. 
L a p a z, 3. Jan. Die bolivianische Regie- 
rung teilt mit, daß ihre Truppen im Gran 
Chaco in der Gegend des Forts Duarte einen 
starken Angriff paraguayischer Truppen zu- 
rückgeschlagen hatten. Die geschlagenen Pa- 
raguayer hätten sich nach Südwesten zurückge- 
zogen. 
..Bilderstürmer". 
M a d r i d, 3. Jan. Die Kirche von Real de 
la Jara in der Provinz Sevilla wuiÄe von 
Anarchisten in Brand gesteckt. Die Polizei 
konnte vier Verhaftungen vornehmen. 
In Barcelona wurde letzte Nacht wieder 
eine Bombe in einer Bäckerei zur Explosion 
gebracht. Personen wurden nicht verletzt, da- 
gegen ist der Sachschaden groß. 
Literarische». 
„Kamerad Tod", ein Kriegsroman v. Hein- 
rich Schroth-Collot, ist eine bemerkenswerte 
Neuerscheinung aus dem Büchermarkt. Der 
Verfasser, ein bekannter Schauspieler aus 
Konstanz, Sproß einer Schauspielerfamilie, 
deren Ahnenreihe nach Paris zurückgeht, ist in 
Mülhausen im Elsaß geboren, wo sein Groß- 
vater Theaterdirektor war. Während er in 
seiner Vaterstadt Mülhausen seine Militär- 
pslicht erfüllt, überrascht ihn der Krieg. Aus 
dem Kasernenhof marschiert er gegen den 
hereinbrechenden Gegner, um die Stadt zu 
verteidigen. 
Aus Tagebuchblättern, die erst zu einem 
Feuilleton ausgearbeitet wurden, ist der nun 
erscheinende Kriegsroman entstanden. Der 
Verfasser schildert darin in feinem, gewandtem 
Stil seine eigenen Erlebnisse in der vorder- 
sten Front, in der Etappe und auf Urlaub. Da 
er die französische Sprache kennt, ist seine 
Einstellung zur Zivilbevölkerung des Kriegs- 
schauplatzes eine sehr taktvolle. Das wahre 
Gesicht des Krieges stellt der Verfasser unge- 
schminkt vor Augen, um der-Generation, die 
den Krieg nur noch vom Hörensagen^ kennt, 
deutlich zu zeigen, daß der Krieg von heute 
nur noch zerstört und vernichtet. Dadurch will 
er mit Ueberzeugung für den Frieden unter 
den Völkern werben, um der Zukunft all die 
Not, das Elend, den Schrecken, den Zerfall u. 
die Vernichtung aller Kulturwerte zu erfpa- 
ren. — Zur Ausstattung des Buches dienen 
zwei photographische Bilder und zwei Zeich- 
nungen von Hans Schaad, Eglisau. Preis 
Fr. 4.— bei den Buchhandlungen und beim 
Verlag: Steinemann-Scheuchzer, Vülach. 
Herausgeber: Berlag Liechtenstein. Vollisvlatt BaduZ 
Verantwortlicher Schriftleiter: Alfons Kranz. 
Verantwortlich für den Inseratenteil: I. vfpett.
        

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