Herausgeber:
Liechtensteinischer Alpenverein
Erscheinungsjahr:
1964
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000064056/7/
erschreckender Weise auf die Almweide zurück. Durch sie wur- 
de nämlich an vielen Orten ein Feind heraufbeschworen, gegen 
welchen man jetzt mit unsäglichen Opfern ankämpfen muss, 
und gegen welchen dermalen häufig auch jedweder Kampf 
schon ganz vergeblich erscheint. Wir meinen hier die im Ge- 
birge an allen des Waldes entblössten Stellen nur allzuleicht 
hervorgerufene Muhrenbildung. (Rüfen, Anm.) Regen- 
güsse, deren auswaschende Kraft früher durch die Baumkronen 
gebrochen wurde, fallen jetzt mit ihrer ganzen ungeschwächten 
Wucht auf den Boden nieder. Während sie früher durch das 
Moosgefilze des Waldgrundes aufgesaugt und gleichmässig ver- 
teilt wurden, finden sie jetzt an den entwaldeten Hängen, deren 
Moosdecke bei dem Mangel des Baumschattens kümmert oder 
stellenweise ausstirbt, und erst nach Jahren einer widerstands- 
fähigen, dichten und geschlossenen Grasnarbe Platz macht, 
einen der Auswaschung und Zerstörung leicht zugänglichen 
Tummelplatz. An irgendeiner entblössten Stelle sickert und rie- 
selt das Wasser, statt in den Boden einzudringen, langsam an 
dem Gehänge herab; dem einen Wasserfaden gesellt sich bald 
ein zweiter bei, und in kurzer Zeit hat die verstärkte Wasser- 
ader eine kleine Rinne in den geneigten Boden gewaschen. Die 
fruchtbare Erdkrumme, das Ergebnis langsamer, vieltausend- 
jähriger Verwitterung des unterliegenden Gesteins, und die un- 
schätzbare Vorratskammer pflanzlicher Nahrungsmittel, welche 
durch das Zusammenwirken unzähliger Pflanzengenerationen 
ganz allmählich angelegt und bereichert wurde, wird jetzt plötz- 
lich mit rasender Schnelligkeit fortgeführt, das Rinnsal des Ge- 
wäsers immer mehr und mehr erweitert, und die schmale Rinne 
am steilen Gehänge in kürzester Frist zur tief ausgewaschenen 
Runse umgestaltet. So hängt sich Gewicht an Gewicht, und dort, 
wo anfänglich ein schwacher Wasserfaden die Erde ausgenagt 
hatte, poltert jetzt nach jedem heftigen Gussregen ein schlam- 
miger Wildbach nieder, der sich immer tiefer in das morsche 
unterliegende Gestein einwühlt, und zahlreiche Gerölle, riesige 
Blöcke, abgelöste Rasenstücke und zersplitterte Baumstämme 
mit sich fortzureissen und auf die tiefer liegenden Gelände hin- 
abzutragen imstande ist. In der Sohle des Hochtales angekom- 
men, verliert das niederströmende Gewässer sein rasches Ge- 
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