Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/98/
Thomas O. Hüglin Neuere Hobbes-Interpretationen sind dabei zu dem Schluss gekommen, dass die Aufgabe des Leviathan nicht in erster Linie darin liegt, die ver­ einzelten Bürger machtpolitisch in Schach zu halten, sondern sie auf die Verhaltens- und Verkehrsregeln einer zivilen Konkurrenzgesellschaft einzuschwören. Es handelt sich demnach um den grandiosen Versuch der theoretischen Herleitung einer neuen bürgerlichen politischen Kul­ tur und Ideologie.25 Althusius kann ähnlich interpretiert werden. Er umschreibt den Ge­ sellschaftspakt als einen konsozialen Einigungsbund, durch welchen sich die symbiotischen Gesellschaftsmitglieder auf die gegenseitige Kommu­ nikation alles dessen verpflichten, was für ein harmonisches Sozialleben nützlich und notwendig ist. Politik wird in erster Linie als horizontale Partnerschaft definiert.26 Der Herrschaftsvertrag ist indessen als ein Mandatsverhältnis umschrieben, in dem der Herrscher nur diejenigen Befugnisse erhält, welche ihm explizit zuerkannt worden sind. Alles andere verbleibt in gesellschaftlicher Kontrolle nach dem nun genauer bestimmten Zweck subsidiärer Herrschaftsvermutung, wonach ein Gemeinwesen umso stabiler erscheint, je weniger Macht seine Herrscher besitzen.27 Was sich bei Althusius andeutet, ist der nicht weniger gran­ diose Versuch der theoretischen Herleitung einer alternativen gemein- schaftsorientierten politischen Kultur und Ideologie. Subsidiäre Verankerung aller Herrschaftsmacht ist die verfassungsmäs­ sige Grundlage des Gemeinwesens. Durch seine Wahl wird dem jeweili­ gen Herrscher die Sorge für das "Fundamentalgesetz des Gemeinwesens" aufgegeben,28 und dieses Fundamentalgesetz beinhaltet "nichts anderes als jene Gesellschaftspakte, durch welche sich mehrere Städte und Provinzen übereinstimmend zu einem Gemeinwesen zusammenschliessen."29 25 Siehe Tuck, xvii-xviii. 26 Proposita igitur Politicae est consociatio, qua pacto expresso, vel tacito, symbiotici inter se invicem ad communicationem mutuam eorum, quae ad vitae socialis usum & consor- cium sunt utilia & necessaria, se obligant... Symbiotici... communionis sunt participes (I. 2 und I. 6). 27 Tantum autem juris habet hic summus magistratus, quantum illi a corporibus consocia- cis, seu membris regni, est expresse concessum; Sc quod non datum ipsi est, id penes populum, seu universalem consociationem, remansisse dicendum est . . . idque ex natura contractus mandati... Quo minor autem esc potestas eorum qui imperant, eo dutius sta- biliusque siat imperium. (XIX. 7-8). 28 In electione vero summi magistratus, summa cura legis fundamentalis regni, habenda est (XIX. 49). 29 nihil aliud, quam pacta quaedam, sub quibus plures civitates Sc provinciae coierunt & consenserum in unam . . . Rempubl. (Ibid.). 106
        

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