Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/95/
Althusius - Vordenker des Subsidiarhäispnnzips gionen, sowie natürliche und funktionale Interessengemeinschaften als der eigentlichen Basis des Gemeinschaftslebens. In diesem Sinne müssten europäischer Föderalismus und Subsidiarität erweitert und neu über­ dacht werden. Unter den Gemeinschaftsstaaten können derzeit nur die Bundesrepublik Deutschland, Belgien und Spanien als formal oder de facto föderal verfasst gelten. Die Rolle von Ländern, Provinzen, Regio­ nen, aber auch organisierten Interessen, Sprachgruppen, sozialen Bewe­ gungen usw. in einem Gemeinschaftsgefüge, welches immer mehr Zu­ ständigkeiten nach oben auslagert, ist weitgehend ungeklärt. Nicht alles, was einem frühmodernen Theoretiker der Politik selbst­ verständlich erschien, lässt sich nun problemlos ins Moderne übersetzen. Bevor man aber den Althusius als Vorväter des europäischen Subsidiari- tätsdenkens zitiert, wird man das eigentlich Althusische an dieser Subsi­ diarität erst einmal genauer zu bestimmen haben. II. Das Wesen der Subsidiarität im Denken des Althusius 1. Subsidiarität und Dualismus Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die alte Ordnung endgültig zerbro­ chen. Sie hatte in einem Neben- und Übereinander pluraler Rechts- und Herrschaftskreise unter dem Dach einer christlichen Universalkirche be­ standen. Die Reformation hatte dieses Dach zum Einsturz gebracht.19 Religionskriege waren die Folge. Glaubensfreiheit wurde zur Uberle­ bensfrage. Gleichzeitig war die Autonomie der partikularen Herrschafts­ kreise aber auch durch die immer stärker sich anbahnende Modernisie­ rung zentralisierter Verwaltungs- und Finanzstaaten gefährdet. Im Em­ den des Johannes Althusius zum Beispiel verliefen die Konfliktlinien zwischen dem Autonomiestreben des calvinistischen Bürgertums in der reichen Seehandelsstadt einerseits, und andererseits dem lutherischen Grafenhaus von Ostfriesland, welches in seinem Streben nach Umrü­ stung der Provinz in ein modernisiertes absolutistisches Staatswesen vor allem auf die Besteuerung der reichen Stadt nicht verzichten wollte.23 19 Dies isc keine Schuld2uweisung. Das Dach war schon lange einsturzgefährdet gewesen, und nicht nur durch glaubensbedingte Zersplitterung. Schon auf dem Konzil von Kon­ stanz (1413-17) hatte es der neu gewählte Papst, Martin V., als notwendig befunden, zum ersten MaJ separate Konkordate mit den fünf vertretenen "Nationen" abzuschliessen. - Siehe vor allem Antholz. 103
        

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