Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/80/
J. F. Gerbard Coeters gung des Heidelberger Katechismus verfahrt er noch traditionell, indem er im Anschluss an Frage 18 mit der Mittlerschaft Christi in einem Ap­ pendix De foedere Dei nur den Gnadenbund, die Einheit seiner Substanz und die Unterschiede seiner alt- und neutestamentlichen Verwaltung im Sinne Bullingers und Calvins ausführt.7 Ursins wenig ältere Summa Theologiae per quaestiones et responsiones exposita behandelte den Gnadenbund ganz entsprechend und ordnete ihn dem Evangelium zu. Diesem als Gottes Gnadenzusage stellt er das Gesetz als Gottes Forde­ rung gegenüber. "Das Gesetz enthält den Naturbund (foedus naturale), in der Schöpfung von Gott mit den Menschen geschlossen, das heisst, von Natur ist es den Menschen bekannt und erfordert von uns den voll­ kommenen Gehorsam gegen Gott und verheisst denen, die ihn leisten, ewiges Leben, droht denen, die ihn nicht leisten, ewige Strafen an. Das Evangelium aber enthält den Gnadenbund .. ."8 Schöpfung und Natur­ recht, Gottesverhältnis und ethische Verpflichtung gehören für Ursinus zusammen. Das Naturrecht und, mit dem analog angewandten Bundes­ begriff, eine Vertragstheorie werden so in der reformierten Theologie eingebürgert. Mit dieser Duplizität von Natur- bzw. Werkbund und dem Gnaden­ bund als Grundkategorien der Schöpfungs- und Erlösungsordnung hat die ältere reformierte Theologie in Heidelberg, den Niederlanden und Ungarn, in Basel und Zürich im 17. Jahrhundert immer wieder in der Dogmatik gearbeitet. Vor allem durch den Bremer Johannes Coccejus (1603-1669), der in Franeker und Leiden lehrte und eine Vielzahl von Schülern gewann, ist diese Bundes- bzw. Föderaltheologie vom bibli­ schen Grundbegriff, um den es Coccejus eigentlich ging, in der konti­ nentalen Theologie zum herrschenden dogmatischen System geworden.9 Ein calvinischer Neuanlauf mit einer Konzentration auf den Gnaden­ bund und seiner Darstellung als eines geschlossenen Systems gehört ins späte 16. Jahrhundert und ins nassauische Herborn. Sein Schöpfer war 7 Ursinus, Zacharias: Opera theologica. Edita opera et studio Quirini Reuteri. Heidelberg, 1612, Bd. I., S. 98-101. 8 Ebendort, Bd. I, S. 13-14. 9 Schrenk, Fn. 1. - McCoy, Charles S.: The Covenant Theology of Johannes Coccejus. Phil. Diss. Yale University, 1956. - Ders.: Johannes Coccejus. Federal Theology. In: Scot- tish Journal of Theology 16 (1963), S. 352-370. — Faulenbach, Heiner: Weg und Ziel der Erkenntnis Christi. Eine Untersuchung zur Theologie des Johannes Coccejus. Neukir­ chen, 1973 bes. S. 21-27 und S. 146-155. (Beiträge zur Geschichte und Lehre der refor­ mierten Kirche, Bd. 36). 86
        

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