Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/8/
Vorwort der Herausgeber Die gegenwärtige Diskussion über Subsidiarität schöpft aus zwei Quel­ len. Die ältere Quelle ist die katholische Soziallehre. In der Sozialenzy­ klika "Quadragesimo anno" (1931) fand das Subsidiaritätsprinzip die klassische Umschreibung: "Wie dasjenige, was der Einzelmensch aus eigener Initiative und mit seinen eigenen Kräften leisten kann, ihm nicht entzogen und der Gesellschaftstätigkeit zugewiesen werden darf, so ver- stösst es gegen die Gerechtigkeit, das, was die kleineren und untergeord­ neten Gemeinwesen leisten und zum guten Ende führen können, für die weitere und übergeordnete Gemeinschaft in Anspruch zu nehmen; zugleich ist es überaus nachteilig und verwirrt die ganze Gesellschafts­ ordnung. Jedwede Gesellschaftstätigkeit ist ja ihrem Wesen und Begriff nach subsidiär, sie soll die Glieder des Sozialkörpers unterstützen, darf sie aber niemals zerschlagen oder aufsaugen." (Nr. 79) Ein Blick in die Literatur fördert das verblüffende Ergebnis zutage, dass das Subsi­ diaritätsprinzip vor allem im deutschen Sprachraum aufgegriffen worden ist. Grosse fremdsprachige Lexika wie etwa der "Grand Dictionnaire Encyclopedique Larousse" (1985) oder die "Encyclopaedia Britannica" (1991) enthalten kein entsprechendes Schlagwort. Das mag damit zu­ sammenhängen, dass die Vordenker und Nachdenker des in der katho­ lischen Soziallehre entwickelten Subsidiaritätsprinzips überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen (Gundlach, Nell- Breuning, Messner, Utz u.a.). Hauptstossrichtungen der katholischen Soziallehre sind die Stellung von Familie und Kirche in Gesellschaft und Staat. Die jüngere Quelle ist der Maastrichter Vertrag (1992). Darin wird der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wie folgt ergänzt: "In den Bereichen, die nicht in ihre ausdrückliche Zustän­ digkeit fallen, wird die Gemeinschaft nach dem Subsidiaritätsprinzip nur tätig, sofern und soweit die Ziele der in Betracht gezogenen Massnahmen 9
        

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