Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/71/
Herfried Münkler bensgestaltung der Einzelnen eingreifen, um die sozialen und morali­ schen Voraussetzungen des Gemeinwesens zu erhalten. Die Illiberalität, die bei allen Repräsentanten des Tugenddiskurses zu beobachten ist, hat ihre Wurzeln in der vielfach vermuteten Instabilität der politischen Ord­ nung infolge eines ökonomischen Wandels, der als Form der Korrumpie­ rung der Bürger gefasst wurde. III. Partizipation und Subsidiarität Was folgt aus den hinsichtlich der jeweiligen Vorstellung von Freiheit an­ gestellten Überlegungen bzw. wie ist unter Zugrundelegung der je ge­ machten Voraussetzungen ein demokratisch verfasstes Gemeinwesen zu denken? Der Tugenddiskurs und die ihm zuzurechnende Vorstellungs­ welt des klassischen Republikamsmus und der Zivilgesellschaft beruhen auf der Idee, dass sich die Bürger vor allem durch Tugend im Sinne einer freiwilligen Intendierung des Gemeinwohls von blossen Untertanen un­ terscheiden. Sie sind bereit, ihre jeweiligen Privatinteressen hintanzustel­ len, wenn es das Wohl des Gemeinwesens erfordert, denn sie sehen in ihm weniger eine Ressource ihrer Interessenverfolgung als vielmehr den Ort, an dem sie sich qua Partizipation als Freie und Gleiche erfahren. So ist das politische Gemeinwesen auch und vor allem der Ort ihrer Selbst­ verwirklichung - während Untertanen den Staat als eine Instanz erfah­ ren, die sie zu etwas zwingt, was sie aus freien Stücken nie und nimmer getan hätten. Steht dieser überhaupt zu ihrer Selbstverwirklichung in einer Beziehung, dann in einer der Beschränkung und Beschneidung. Freiheit wird hier also nicht als politische Partizipation begriffen, son­ dern besteht wesentlich im Schutz vor willkürlichen und unkalkulierten Eingriffen des Staates oder auch anderer in die Sphären ihrer privaten Lebensgestaltung; sie ist gleichbedeutend mit ihrer persönlichen Sekuri- tät. Sekurität hebt ab auf Regelungen und Garantien durch zentralisierte Apparate des Staates, während Partizipation und die Bereitschaft zur Übernahme von Subsidiaritätsverpflichtungen Hand in Hand gehen. Die Differenzen zwischen beiden Konzeptionen sind bedeutsam vor allem bezüglich der Fähigkeit der jeweiligen Diskurse zur Wahrnehmung und Bearbeitung von Problemen, die entweder aus der diesen Gesell­ schaften eigenen Ökonomischen Dynamik erwachsen oder aber zur Selbstreproduktion politischer Ordnungen unter der Bedingung einer zunehmenden Erosion jener Werte und Einstellungen führen, die ihnen 76
        

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