Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/62/
Subsidiarität, Zivilgesellschaft und Bürgertugend zu werden braucht, um sodann als Postulat verbreitet zu werden, sondern dass es sich dabei um ein zentrales Element demokratisch verfasster Ge­ meinwesen handelt, an dem deren Funktionsfähigkeit und ihr dauerhaf­ ter Bestand hängt und das in demokratietheoretischer Hinsicht expliziert werden kann. Dies ist freilich weniger unter Rückgriff auf moderne De­ mokratietheorien möglich als vielmehr unter Bezug auf den klassischen Republikanismus, wie er sich bei Autoren der klassischen Antike und der frühen Neuzeit findet, für welche die sozio-moralische Dimension der Bürgertugend von grösster Bedeutung bei der Entwicklung der Bestands­ voraussetzungen eines republikanischen Gemeinwesens gewesen ist. Da­ gegen haben die modernen liberalen Demokratietheorien, der Forderung nach Bürgertugend aus Gründen einer illiberalen Überlastung bürger­ licher Freiheitssphären mit Anforderungen des Gemeinwesens gegenüber distanziert oder aber aus Skepsis hinsichtlich der empirisch gehaltvollen Voraussetzbarkeit von Bürgertugend, versucht, die sozio-moralische Di­ mension des klassischen Republikanismus durch Prozesse der Institutio- naiisierung zu entschärfen, insofern und insoweit intrinsische Anforde­ rungen durch externalisierte Mechanismen, seien sie solche der Verfas­ sung oder des Marktes, substituiert werden könnten. In dem hierdurch vielleicht nicht gerade verursachten, immerhin aber auch nicht abgebrem­ sten oder konterkarierten Prozess der Ersetzung sozio-moralischer For­ derungen durch soziopolitische Institutionen sind die drei genannten Ele­ mente, Subsidiarität, Bürgertugend und schliesslich auch Zivilgesellschaft, gleichermassen relativiert und verschliffen worden. Staatliche Bürokra­ tien haben sich unter der Devise von Rationalisierung und Modernisie­ rung an ihre Stelle gesetzt, bis den drei Elementen, zumindest Subsidia­ rität und Bürgertugend, ein antimodernistischer Beiklang eigen war. Da­ mit einhergegangen sind Prozesse der Erosion von Wertorientierungen, die den Rekurs auf Subsidiarität auch in bloss steuerungstechnischer Hin­ sicht unmöglich machen, da er nicht länger mehr verbunden ist mit der Möglichkeit des Rückgriffs auf die sozio-moralische Disposition der Bür­ ger, welche Subsidiarität zu mehr macht als einer bloss verwaltungstech­ nischen Verlagerung von Aufgaben und Kompetenzen. Darum muss, soll Subsidiarität mehr besagen als bloss eine von aussen an die Gesellschaft herangetragene Forderung, sie in Verbindung mit Bürgertugend und Zivilgesellschaft expliziert werden. Dies soll nachfolgend geschehen. Bürgertugend, so der erste Versuch einer noch sehr allgemeinen Be­ stimmung des Begriffs, ist die Bereitschaft zu freiwilligem, nicht durch 67
        

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