Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/57/
Interpretation des sozialethischen Prinzips der Subsidiarität nicht durch einen Akt des eigenen Willens begründet hat. Die Verkörpe­ rung des Souveränitätsbegriffes ist der moderne zentralistische Staat, der die Autonomie der kleineren Gemeinden und im allgemeinen der bür­ gerlichen Gesellschaft nicht anerkennt und die kleineren Gemeinden zur Rolle von funktionalen Abteilungen seiner selbst reduziert hat. In der Geschichte der komparativen Verfassungswissenschaft hat hin­ gegen der Föderalismus das Subsidiaritätsprinzip verkörpert. Nach dem Föderalismus (der die Tradition der klassischen und mittelalterlichen po­ litischen Philosophie fortsetzt) ist der Staat die organische Zusammen­ setzung einer Vielfalt, und die Glieder dieser Vielfalt haben Rechte, die vom Staat nicht abgeleitet werden können und von ihm auch nicht ange­ tastet werden dürfen. Der christlichen Soziallehre kommt das Verdienst zu, das Subsidiari­ tätsprinzip klar formuliert und für die politischen Theorie des zwanzig­ sten Jahrhunderts wiederbelebt zu haben. Wir haben jedoch gesehen, dass dieses Prinzip sich sowohl anthropologisch, wie auch politisch rein philosophisch begründen lässt und dazu eine längere Geschichte hat, die bis zu den griechischen Wurzeln unserer Kultur reicht, wenn auch in be­ sonderen und wenig präzisen Formulierungen. Es bleibt in unserer Epo­ che ein Leitfaden für jene, die sowohl dem individuellen, wie auch dem gemeinschaftlichen Charakter der menschlichen Person Rechnung tra­ gen und dadurch die Freiheit mit der Solidarität verbinden wollen. 61
        

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