Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/50/
Rocco Buttiglione wieder fähig ist, die eigenen Verpflichtungen zu übernehmen. In dem so­ eben erwähnten Fall der Arbeitslosigkeit heisst dies, dass die erste Ver­ antwortung für die Erfüllung des Rechtes auf Arbeit dem Arbeitenden selbst zukommt. Er soll die Arbeit suchen, er trägt die Verantwortung, die notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln und die Qualifizierung zu er­ werben, die es ihm erlaubt, eine nützliche Arbeitsleistung zu erbringen. Es ist aber möglich, dass dies nicht genügt, um wirklich einen Arbeits­ platz zu finden. Es ist auch möglich, dass er allein unfähig ist, die notwen­ digen Fähigkeiten zu entwickeln. Dann braucht er die Hilfe seiner Fami­ lie, die ihn unterstützt, oder die Solidarität seiner Arbeitsgenossen. Diese Solidarität ist eine subsidiäre Solidarität, weil sie kaum nützen kann, wenn der tätige Einsatz des ersten Interessierten, und zwar des arbeitenden Menschen selbst, fehlt. Wenn diese erste Vorbedingung erfüllt ist, spielt diese Solidarität hingegen eine grosse Rolle, sowohl um die Qualifizie­ rung der Arbeit zu erhöhen und zu erweitern, als auch, um die damit zu­ sammenhängenden Kosten zu decken und um den arbeitssuchenden Men­ schen von den vorliegenden Arbeitschancen in Kenntnis zu setzen. Ein weiteres Niveau der Subsidiarität betrifft die Wirtschaftsgemeinschaft. Die Entscheidung, eine Investition zu vollziehen, ist vorerst ökonomi­ scher Art. Ein Unternehmer darf sie nicht vollziehen, wenn die notwen­ digen Vorbedingungen fehlen. Sie ist aber zugleich ein moralischer Akt: Die Bereitschaft, das Risiko anzunehmen, wird durch die menschliche Sympathie und das Bewusstsein der eigenen Mitverantwortung für das Schicksal anderer Menschen und der eigenen Gemeinde wesentlich mit- beeinflusst. Nur wenn wir all diese Instanzen aufgefordert haben, die eigene Verantwortung zu übernehmen, dürfen und sollen wir auch den Staat einbeziehen. Der Staat soll durch eine angemessene Geld- und Fi­ nanzpolitik die Vorbedingungen sichern, die die Investitionen möglich und rentabel machen. Durch die eigene Schul- und Arbeitspolitik soll der Staat den Bürgern dabei helfen, die notwendigen Kenntnisse zu erwerben und sich auch neu zu qualifizieren, falls eine technologische Revolution einen ganzen Wirtschaftsbereich so umwandelt, dass die dafür erworbe­ nen Qualifikationen völlig entwertet werden. In der Zwischenzeit tragen der Staat, der Einzelne und die verschiedenen Gemeinden, denen der Ein­ zelne angehört, in enger Zusammenarbeit die Verantwortung, ihm eine Lebensunterstützung zu geben. Dies geschieht häufig durch Arbeitslo­ senversicherungen, die teilweise vom Staat, teilweise vom Arbeitgeber und teilweise vom Arbeitnehmer bezahlt werden. 54
        

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