Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/28/
Subsidiarität als staatsphilosophiscbes Prinzipf tenz verdienen die unteren Sozialeinheiten nicht grundsätzlich, sondern nur unter der Bedingung, dass die entsprechende Kompetenzverteilung letztlich dem Einzelmenschen dient. Falls nun die Subsidiarität zugunsten der höheren Sozialeinheit spricht, darf man die normative Lesart der Anwendungsbedingung nicht vergessen. Ob man nur eine schon bestehende höhere Sozialeinheit stärkt oder eine höhere Einheit neu schafft - in jedem Fall darf man da­ bei die Sphäre der intermediären nicht aufs Spiel setzen, denn ihre Exi­ stenz dient den Individuen. 2. Der Subsidiaritätsgedanke ist aristotelisch Obwohl die Subsidiarität nicht zu den Grundbegriffen der politischen Philosophie gehört, finde ich die Sache selbst im politischen Diskurs praktiziert, sogar an prominenter Stelle, am locus classicus der politi­ schen Anthropologie, in Aristoteles' Ausführungen zur These, der Mensch sei von Natur aus ein politisches Her: ho anthröpos physei poli- tikon zöon.'5 Eine Geschichte des Subsidiaritätsgedankens setzt also nicht erst bei Althusius an oder beim Tridentinum, sondern spätestens bei Aristoteles - und weiss natürlich, dass sich dessen Gedanken in Aus­ einandersetzung mit Piaton bilden. In Aristoteles' Begründung tritt zutage, was ich die via antiqua der politischen Anthropologie nenne: der Mensch gilt als Sozialwesen, da er mangels individueller Autarkie auf eine Kooperation mit seinesgleichen angewiesen ist, während das Konfliktpotential, das es im Zusammenle­ ben doch auch gibt, nicht zutage tritt. Mit dem Philosophen, der dieses Defizit in voller Klarheit sieht, mit Thomas Hobbes, wird die via moderna der politischen Anthropologie beginnen, zunächst in einer gewissen Einseitigkeit, die aber durch Kants Begriff der ungeselligen Geselligkeit überwunden wird. In seiner Argumentation macht Aristoteles auf die wechselseitige Ab­ hängigkeit der Menschen voneinander aufmerksam und antizipiert in diesem Zusammenhang die beiden Stufen des Subsidiaritätsprinzips. Die erste Stufe: Um der Fortpflanzung willen kommen Mann und Frau zu­ sammen, um des Überlebens willen Herr und Knecht; und aus beiden Beziehungen, ergänzt um eine dritte, die von Eltern und Kindern, ent- ,J Aristoteles, Politik 1 2, 1253 a 2f. Zur Interpretation vgl. Höffe 1987, Kap. 9. 31
        

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