Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/271/
Subsidiarität aus der Sicht der vergleichenden Verfassungslehre gen geregelt werden, welche zwischen der Weltgemeinschaft und der öffentlichen Autorität der einzelnen Nationen bestehen." Weitere Phasen der Entwicklungsgeschichte dokumentieren die Aussa­ gen von O. von Neil-Breunings5 Bemerkenswert an den Texten der katholischen Soziallehre von 1931 und 1891 istder-oft übersehene - Gerechtigkeitsbezug. Subsidiarität er­ weist sich als Gerechtigkeitspostulat, als Konnexbegriff zur Gerechtig­ keit. Im übrigen ist das hinter den beiden Enzykliken liegende Staatsver­ ständnis freizulegen: Der Einzelmensch, seine eigene "Initiative", seine "eigenen Kräfte" und das heisst seine Freiheiten haben den Vorrang vor der Gemeinschaft, und das meint hier "Staat". Im Grunde besteht hier insoweit eine Parallele zum politischen Liberalismus, zur Trust-Lehre eines J. Locke44, auch wenn "Quadragesimo anno" den Liberalismus sonst ablehnt. Bemerkenswert ist die Reihung: einzelner Mensch, Fami­ lie, Verbände, Staat (Nation) und Weltgemeinschaft. Dieses Stufenden­ ken wird sich als fruchtbar erweisen. Festzuhalten bleibt, dass Rechte und Freiheiten des einzelnen Menschen, der Familie und der Verbände, sich nicht von der staatlichen Gemeinschaft "herleiten" bzw. ihr zu ver­ danken sind - so sehr sie vom Verfassungsstaat garantiert werden müs­ sen. Die "dienende" Rolle des (Verfassungs-)Staates, ganz im Gegensatz zum Staatsdenken eines HegelA7> ist nach all dem eine Konsequenz des katholischen Subsidiaritätsverständnisses.48 Daraus darf nicht gefolgert werden, "das" Subsidiaritätsprinzip sei im Grundgesetz oder in anderen Verfassungsstaaten "positiviert", es gelte ver­ fassungsrechtlich, (Art. 23 Abs. 1 n. F. GG stellt eigene Fragen). Dies wäre allzu "kurzschlüssig". Denn geistesgeschichtlich relevante sozialethische 
    

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