Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/270/
Peter Häberle sen, bilden ein ebenso zentrales wie schwer erklärbares Thema. Inson­ derheit verfassungs- und europarechtliche Texte und ihr Verhältnis zu Theorien, Vorverständnissen, das praktisch/soziale Umfeld, aus dem sie entstehen, sind wohl ein kaum lösbares "Rätsel" aller Verfassungsent­ wicklung im heutigen Europa. 1) Die katholische Soziallehre Der viel zitierte Klassikertext, der auf eine Weise am "Anfang" der heu­ tigen Diskussion um das Subsidiaritätsprinzip steht, ist die Enzyklika "Quadragesimo anno" Pius' XI. (1931). Dort heisst es (Nr. 79): "Wie dasjenige, was der Einzelmensch aus eigener Initiative und mit seinen eigenen Kräften leisten kann, ihm nicht entzogen und der Ge­ sellschaftstätigkeit zugewiesen werden darf, so verstösst es gegen die Gerechtigkeit, das, was die kleineren und untergeordneten Gemein­ wesen leisten und zum guten Ende führen können, für die weitere und übergeordnete Gemeinschaft in Anspruch zu nehmen; zugleich ist es überaus nachteilig und verwirrt die ganze Gesellschaftsordnung. Jed­ wede Gesellschaftstätigkeit ist ja ihrem Wesen und Begriff nach subsi­ diär; sie soll die Glieder des Sozialkörpers unterstützen, darf sie aber niemals zerschlagen oder aufsaugen."43 Eine altere Textstufe begegnet in der Enzyklika Rerum Novarum von Leo XIII. (1891). Danach soll die Gemeinschaft dem einzelnen hilfrei­ chen Beistand leisten, weil der einzelne prinzipiell Vorrang vor der Ge­ meinschaft besitzt. Deshalb ist "jedwede Gesellschaftstätigkeit danach zu befragen und daraufhin zu prüfen, ob sie letztlich die Einzelmenschen fördert oder behindert bzw. benachteiligt." Eine Verfeinerung zur inter­ nationalen Ordnung hin und damit eine nächste Textstufe ist in dem Passus von "Pacem in Terris" von Johannes XXIII. (1963) zu erkennen (Nr. 140):44 "Wie in den Einzelstaaten die Beziehungen zwischen der öffentlichen Gewalt und den einzelnen Menschen, den Familien und den Verbän­ den durch das Subsidiaritätsprinzip gelenkt und geordnet werden müssen, so müssen durch dieses Prinzip natürlich auch jene Beziehun- ° Zit. nach G. Gundlach, Die sozialen Rundschreiben Leos XIII. und Pius' XI., 3. Aufl. i960, S. 113. 44 Zit. nach Texte zur katholischen Soziallehre, 5. Aufl. 1982, S. 309. 292
        

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