Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/243/
Staatsbildungsprozesse im Westeuropa der Frühen Neuzeit gen schon während der elisabethanischen Ära, in der die politische Sen­ sibilität der Königin und der Konsenszwang im Zeichen der Bedrohung durch das gegenreformatorische Spanien dieses Defizit noch auszuglei­ chen vermochten.28 Die Kirchenpolitik der Stuarts verschärfte diesen Gegensatz und gab dem grossen Verfassungskonflikt der 1640er Jahre seine religionspolitische Dimension. Allerdings scheiterte auch die vom Parlament zunächst favorisierte presbyterianische Lösung. Statt dessen setzte sich unter dem Einfluss des Revolutionsheeres, der 
New Model Army, das independentistische Prinzip der Autonomie der Gemeinde als radikale Schlussfolgerung aus der reformatorischen Individualisierung des Glaubenserlebnisses durch. Die Restauration von 1660 brachte dann zwar nicht nur die Wieder­ herstellung der Monarchie, sondern auch eine Restauration der anglika­ nischen Staatskirche, die fortan jedoch nur noch über eine Konfessions­ hegemonie und über kein Konfessionsmonopol mehr verfügte. Denn schon der Restaurationskompromiss selbst konnte die in der Revolution festgeschriebenen Besitzstände der protestantischen Sekten nicht igno­ rieren und schloss eine zunächst repressive Duldung der "tender cons- ciences" des protestantischen Dissent ein. Diese wandelte sich dann im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer indifferent-pragmatischen Toleranz, die ihre diskriminierenden Züge jedoch erst 1828 vollends verlor. Die Katholiken blieben bis 1829 aus dem protestantischen Toleranzarrange­ ment ausgeschlossen, auch wenn sie nicht offensiv verfolgt wurden. Die sich der anglikanischen Staatskirche verweigernden protestantischen Engländer blieben damit praktisch seit der Mitte des 17. Jahrhunderts kirchlich sich selbst überlassen. Die Religionspolitik des frühmodernen Staates erwuchs freilich auch dort, wo sie nicht im Zeichen der Konfessionalisierung des Untertanen­ verbandes stand, letztlich nicht aus einer Anwendung des Subsidiaritäts­ grundsatzes. In diesem Fall nahm der Staat seine Religionskompetenz nämlich gar nicht mehr und insofern eben auch nicht mehr subsidiär wahr. Statt dessen beschränkte er sich darauf, über die gesellschaftliche Verträglichkeit des Kultus zu wachen. Im Zuge der Säkularisierungspro­ zesse, welche die westeuropäischen Gesellschaften mit Ausnahme der spanischen dann namentlich seit der Mitte des 18. Jahrhunderts erfassten, trat die Religionspolitik als Politikfeld überhaupt in den Hintergrund. a Vgl. Collinson 1967, sowie ders. 1982. 263
        

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