Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/242/
Günther Lottes war. In der Präambel des Edikts findet sich der bemerkenswerte Satz, dass es Gott nicht gefallen habe zu gestatten, dass er "encore en une meme forme et religion" verehrt werde, dass dies aber "au moins d'une meme intention et avec teile reigle qu'il n'y ait point pour cela de trouble ou de tumulte entre eux" geschehen müsse. In diesem Sinne wurde den Hugenotten das Recht der religiösen Selbstbestimmung in freier Reli­ gionsausübung zugestanden und Sorge getragen, dass ihnen aus ihrer Gewissensentscheidung weder vor Gericht noch beim Zugang zu öffent­ lichen Amtern Nachteile entstünden. Diese Konfessionsneutralität blieb jedoch auf den Staat beschränkt und erstreckte sich noch nicht auf die Gesellschaft. Der Verzicht des Staates, religiöse Uniformität zu erzwingen, war keine Garantie für ein friedliches und vorurteilsloses Miteinander der Religionsgemeinschaften. Das Edikt trug dem insofern Rechnung, als es für die Hugenotten Son­ derräume und Freizonen schuf, in denen sie für sich sein konnten, ohne das Miteinander der katholischen Mehrheit der Franzosen zu stören.26 Nach der Ermordung Heinrichs IV. traten die Schwächen der Lösung von Nantes offen zutage: Erstens gab es für den Fortbestand der Konfes­ sionsneutralität des Monarchen keine Garantie. Zweitens barg die Ver- räumlichung der Toleranz die Gefahr der Herausbildung eines Staats im Staate in sich, der als Dauerlösung der Religionsproblematik für die ab­ solutistische Monarchie unannehmbar war. Seit den 1620er Jahren führte die wiedererstarkte französische Monarchie deshalb einen Zermür- bungskrieg gegen die Hugenotten, der ihre Rechtsposition ungeachtet al­ ler Loyalitätsbekundungen immer weiter aushöhlte und 1685 in der Re­ vokation des Edikts von Nantes gipfelte.27 Auf dem Höhepunkt seiner Macht war der französische Absolutismus seinem Ziel eines auch kon­ fessionell einheitlichen Untertanenverbandes und der Liquidierung ge­ sellschaftlicher Sonderräume ein grosses Stück näher gekommen. In England scheiterte der Versuch der Errichtung einer protestanti­ schen Staatskirche letztlich daran, dass die Integrationskraft des elisabe- thanischen Religionskompromisses nicht ausreichte, die zentrifugale Dynamik des protestantischen Prinzips zu beherrschen. Die kirchenor- ganisatorisch-liturgischen Präferenzen der Krone enttäuschten die pro­ testantischen Präzisionisten im niederen Klerus und unter den Gläubi­ 26 Vg]. hierzu auch Lottes 1986, bes. S. 19. 27 Vgl. Weber sowie Duchhardt. 262
        

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