Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/241/
Staatsbildungsprozesse im Westeuropa der Frühen Neuzeit Recht der religiösen Selbstbestimmung hat die frühneuzeitlichen Staats­ bildungsprozesse zum Teil empfindlich gestört, bis die Säkularisierung des gesellschaftlichen Lebens eine neue Geschäftsgrundlage für die Un­ terwerfung unter die öffentliche Gewalt schuf. Andererseits ist. nicht zu übersehen, dass der Protestantismus dort, wo die Sprengkraft des Selbst- bestimmungs- und des Gemeindeprinzips unter Kontrolle gehalten wer­ den konnte, durch die Schaffung bzw. Stärkung von Eigenidentitäten als Instrument der kulturellen Assimilation und nicht zuletzt mit der Aus­ bildung von Staatskirchen die frühneuzeitlichen Staatsbildungsprozesse wesentlich vorangebracht hat. • >. .. • In Spanien hat der. noch aus dem Geist der Reconquista militante Ka­ tholizismus nicht.nuri.als Bindemittel des spanischen Gesamtsstaats ge­ wirkt, sondern dem imperialen Ausgreifen Spaniens in der Neuen wie in der Alten Welt eine, ideelle Grundlage gegeben. Die berüchtigte spani­ sche Inquisition.war nicht nur die einzige wirklich gesamtspanische In­ stitution, die sich auch in den Ländern der aragonesischen Krone durch­ zusetzen vermochte. Mit ihrer Hilfe liess sich im Zeichen des Katholizis­ mus wie im Falle des-Vbrgehens gegen die getauften Juden und Mauren, die Judaizantesund die Moriscos, auch gesamtspanische. Politik betrei­ ben. Die gegen die getauften Juden gerichtete Doktrin'der limpieza.de $angrey der Reinheit des Blutes, stellte gar einen Baustein:für eine ge­ samtspanische Identität dar. Die ;Conquista 
Amerikas erfolgte herr­ schaftspraktisch wie mit dem Blick auf die völkerrechtliche Legitimation im Zeichen des Kreuzes. Und im Kampf gegen die abgefallenen Nieder­ lande spielte die gegenreformatorische Zielrichtung der spanischen Poli­ tik eine - sowohl international als auch in den Niederlanden selbst frei­ lich kontraproduktive - Rolle. In Frankreich stellte das Toleranzedikt von Nantes • gegenüber den Hugenotten, mit dem der selbst zum Katholizismus konvertierte Hein­ rich IV. 1598 einen Schlussstrich unter die Religionskriege des 161 Jahr­ hunderts zog, ein geradezu klassisches Zugeständnis im Sinne des Subsi- diaritätsprinzips dar.-Einerseits bediente sich der König hier seiner Herr- schergewalt, um den Konflikt zwischen den' Religionsparteien beizule­ gen und die Sphären ihrer gesellschafdichen Wirksamkeit peinlich genau gegeneinander abzugrenzen. Andererseits verzichtete er zugleich,- im Prinzip grundsätzlich, im konkreten Fall jedoch nur gegenüber den Hu­ genotten - auf die Regelungskompetenz des Staates in Religionssachen unter der Voraussetzung, dass der gesellschaftliche Frieden gewährleistet 261
        

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