Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/238/
Günther Lottes behaupten können, wenn neben einer Verminderung der Herrschafts­ und Repräsentationskosten auch die übrigen Teile des spanischen Ge­ samtstaats, nämlich die Länder der Krone von Aragon und das seit 1580 mit Spanien vereinigte Portugal, hierzu einen Beitrag leisten würden. Andererseits war man sich in Madrid der wahrscheinlichen politischen Kosten einer Kastilianisierung des spanischen Gesamtstaates sehr wohl bewusst. Es wirft ein helles Licht auf die Souveränitätsverhältnisse im Herzen des spanischen Weltreichs, dass der Conde Duque Olivarez, Philipps III. grosser Reformminister, einen den Fortbestand des spani­ schen Gesamtstaats in Frage stellenden Aufstand heraufbeschwor, als er 1640 schliesslich das Wagnis einging, die Länder der Krone von Aragon in die Leistungspflicht für das spanische Weltreich zu nehmen - in einem übrigens sehr viel bescheideneren Rahmen als dem der Kastilianisierung der Gesamtmonarchie.2' Es sollte einem Bourbonen, Philipp V., vorbe­ halten bleiben, den spanischen Gesamtstaat nach französischem Vorbild in einen Zentralstaat zu verwandeln und den Ländern der Krone von Aragon ihren besonderen politischen Status, wenn auch nicht ihr Son- derbewusstsein zu nehmen. Anders als in Spanien gelang in Frankreich unter dem enormen aus- senpolitischen Druck der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Archi­ tekten des französischen Absolutismus, Richelieu und Mazarin, die Transformation des Gesamtstaats in einen Zentralstaat mit einer für die Zeitverhältnisse effektiven Finanzverfassung. Zum einen schuf sich die absolute Monarchie mit dem Intendantursystem einen ihr allein verant­ wortlichen Herrschaftsapparat, der sich sowohl gegen adelig-ständische Herrschaftskonkurrenten wie gegen die ältere königliche Verwaltung einsetzen liess, die durch den Amterkauf ein gewisses politisches Eigen­ gewicht bekommen hatte.22 Der Charakter der Intendanten als Agenten eines umfassenden Souveränitätsanspruchs wurde darüber hinaus in ih­ ren Eingriffsmöglichkeiten in die Kommunalverwaltung und in die Kommunalfinanzen deutlich, obwohl die städtische Selbstverwaltung im absolutistischen Frankreich noch die grossten Selbstbestimmungsräume aufwies. Zum anderen fehlte der politischen Opposition gegen die Steuerpolitik der absoluten Monarchie auch dort, wo sie wie in den Pro­ vinzen mit ständischen Vertretungen, den 
pays d'etats, über einen institu­ 21 Vgl. Elliott 1963b. 22 Vgl. Bonney. 258
        

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