Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/235/
Staatsbildungsprozesse im Westeuropa der Frühen Neuzeit Könige des 16. und 17. Jahrhunderts in Kastilien zunehmend als absolu­ tistische Herrscher auftreten, so blieben sie in Aragon, Katalonien und Valencia, den Ländern der Krone von Aragon, in eine ständisch-konsti­ tutionelle Monarchie eingebunden, welche die Selbstbestimmungsrechte der dortigen politischen Elite wirksam sicherte. Wie prägend dieser Ver­ fassungsgegensatz im Herzen des spanischen Weltreiches war, lässt sich nicht zuletzt daran ermessen, dass die Krone von Aragon zum Aufbau der Weltmachtstellung Spaniens keinen nennenswerten Beitrag leistete und aus dieser auch nur einen vergleichsweise geringen Nutzen zog. Die Neue Welt etwa galt als eine Erwerbung der kastilischen Teilmonar- chie.17 Auch Schottland blieb, nachdem sein König Jakob VI. als Jakob I. den englischen Thron bestiegen hatte, ein vollkommen selbständiger Staat mit einem eigenen Parlament, einem eigenen Rechtssystem und einem eigenen Justizapparat sowie einer eigenen, von der englischen Staatskir­ che unterschiedenen protestantischen Kirche. Anfängliche Versuche Jakobs I., die Personalunion auf rechtlichem, kirchlichem und wirt­ schaftlichem Gebiet zu vertiefen, stiessen sowohl bei der schottischen als auch bei der englischen politischen Elite auf Ablehnung. Zur Union kam es - abgesehen von der kurzen, eher einer Okkupation gleichenden Ver­ bindung der beiden Staaten unter Oliver Cromwell ab 1654 - erst 1707, als mit der Thronfolgeregelung für das Haus Hannover der Rechtsgrund für die seit einem Jahrhundert bestehende dynastische Union verloren zu gehen drohte. Der Unionsvertrag fusionierte zwar entsprechend den neuen Machtverhältnissen nach der Glorreichen Revolution die Parla­ mente, blieb ansonsten aber hinter den Vorschlägen zurück, die nach der Thronbesteigung Jakobs I; diskutiert worden waren. Schottlands Kirche und Schottlands eigenes Rechtssystem erhielten auch 1707 eine Be­ standsgarantie, die bis auf den heutigen Tag gehalten hat.18 Zu Beginn der Neuzeit waren die grossen Gesamtstaaten Westeuropas - Spanien, Frankreich und Britannien - also teils durch Personalunion, teils lehnsrechtlich zusammengehaltene Länderverbindungen. Die Stel­ lung des Monarchen in den einzelnen Teilstaaten konnte, je nachdem wie der innere Staatsbildungsprozess dort verlaufen war, selbst innerhalb ein und desselben Staatsverbandes höchst unterschiedlich sein. Der dy­ 17 Vgl. Ellion 1963a, S. 65 ff. 11 Vgl. Levack; ausserdem Smout. 255
        

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