Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/234/
Günther Lottes Erbgangs bedeutete indes keine Gleichschaltung, auch wenn es Unter­ schiede in der Behandlung der so inkorporierten Länder gab. Der fran­ zösische König trat vielmehr in die bestehenden Herrscherpflichten der Friedens-, Rechts- und Besitzstandswahrung auf der Basis des geltenden Rechts ein. So bestätigten die französischen Könige nach der Vereini­ gung des Dauphine mit der französischen Krone im Jahre 1349 dessen Verfassung, das Statut delphinal, immer wieder und trugen noch im Zuge der späteren Eingliederung des Landes in den französischen Staacsver- band der Eigenständigkeit der Provinz dadurch Rechnung, dass sie in Grenoble ein eigenes Obergericht, das dritte Parlament des Königreichs, errichteten.16 Das Edikt von 1532, das die Bretagne endgültig mit der französischen Krone vereinigte, trug den bezeichnenden Titel 
Edit por- tant incorporation definitive du duche de Bretagne, et confirmant 
les Pri­ vileges et franchises de cette province. Inkorporation bedeutete fürs erste nur Souveränitätsaufbau durch Feindschafts- und Rivalitätsabbau. Jen­ seits dessen blieb die inkorporierte politische Einheit zunächst weitge­ hend sich selbst überlassen. - das Vergleichsprinzip, das seine klassische Ausprägung in der Perso­ nalunion im Wege der Verheiratung oder im Zuge des Erbgangs be­ kommen hat. Klassische Beispiele sind hier die Vereinigung der Kro­ nen von Kastilien und Aragon 1469, die den Ausgangspunkt für die Bildung des spanischen Gesamtstaats bildete, und die Personalunion der Königreiche England mit Wales und Schottland unter Jakob I., der Elisabeth I. 1604 auf dem englischen Thron folgte. In beiden Fällen rangierte der Feindschaftsabbau weit vor dem Aufbau gemeinsamer staatlicher Strukturen. Das Ende der kastilisch-aragonesi- schen Rivalität wurde zu einer entscheidenden Voraussetzung der spani­ schen Weltmachtstellung im späteren 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Und England verlor durch die Personalunion mit Schottland wenn schon keinen Rivalen um die Vorherrschaft auf der bri­ tischen Hauptinsel, so doch einen nicht zu unterschätzenden Gegner, der vor allem als potentieller Bundesgenosse rivalisierender europäischer Mächte gefährlich war. Die inneren Verfassungen der Königreiche dagegen blieben von der Vereinigung der Kronen zunächst unberührt. Mochten die spanischen 16 Vgl. Hickey. 254
        

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