Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/233/
Staatsbildungsprozesse im Westeuropa der Frühen Neuzeit ein, die 1508 im Verbot maurischen Brauchtums und maurischer Klei­ dung gipfelte. Diese Politik der Zwangsassimilation erwies sich zwar letztlich als nicht durchsetzbar, wurde aber auch nicht offiziell aufgege­ ben und bereitete den Boden für das Misstrauen gegenüber den (zwangs)getauften spanischen Arabern, das in der zweiten Hälfte des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu Verfolgung und Vertreibung führen sollte.12 In Irland scheiterte der Versuch Heinrichs VIII., die irischen Stam­ mesfürsten ausserhalb des seit längerem von Anglo-Iren besiedelten Landesteils durch eine Strategie der Unterwerfung und Wiederbeleh- nung an die Krone zu binden, an der kulturellen Kluft zwischen irischer Gesellschaft und englischem Recht. Die Einführung der Reformation vertiefte die Gegensätze und komplizierte die Verhältnisse insofern wei­ ter, als sie auch die alteingesessene anglo-irische Bevölkerung spaltete und in die Nähe der gälischen rückte. Im letzten Drittel des 16. Jahrhun­ derts setzte sich dann eine Politik der militärischen Unterwerfung und Anglisierung durch, welche die Grundlagen für den halbkolonialen Sta­ tus des dritten britischen Königreichs schufen.13 - das Inkorporationsprinzip auf der Grundlage des Feudalsystems, das vor allem in Frankreich die entscheidende Rolle gespielt hat. Feudal­ wesen und Lehnsrecht erwiesen sich hier anders als im Deutschen Reich nicht als Zerfalls-, sondern als Aufbauform politischer Herr­ schaft.14 Zentrum der Inkorporationsbewegung blieben dabei das Kö­ nigtum und der Kernraum der Ile de France - trotz aller Wechselfälle, welche die Geschichte der französischen Monarchie im Spätmittelalter und bis ins 16. Jahrhundert hinein kennzeichneten. Es liegt eine wich­ tige Weichenstellung für die Entwicklung des französischen Zentralis­ mus darin, dass es im Zuge der politischen Einigung des französischen Raumes nie zu einem Machtvergleich gleich starker Zentren gekom­ men ist.15 Inkorporation im Wege der Anerkennung der lehnsherrlichen Oberho­ heit oder einer Vereinigung mit der französischen Krone im Wege des 12 Vgl. Baroja. 11 Vgl. Ellis; ausserdem Canny. M Vgl. zu dieser Unterscheidung Lottes 1989. 15 Vgl. den Überblick über die französische Staatsbildung auf der Grundlage der älteren Literatur bei Hintze. 253
        

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