Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/230/
Günther Lottes 16. bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts unverändert blieb, übertrug die Armenverwaltung den Kommunen. Kurskorrekturen in der Armen­ politik, welche die Zentrale für notwendig erachtete, wurden nicht mehr wie bisher durch Gesetzesänderungen, sondern auf dem Verordnungs­ wege an die Kommunen weitergegeben, die allerdings bei ihrer Anwen­ dung der von London eingehenden Anweisungen in der Praxis einen grossen Spielraum hatten.7 In dem Herrschaftsausgleich zwischen dem Zentrum und den lokalen Macht- und Lebenszusammenhängen, der für den frühmodernen Staat charakteristisch ist, hing das Verhältnis, in dem sich die Herrschaftsinter­ essen des Fürsten als Personifikation des öffentlichen Gewaltmonopols und diejenigen der Machtträger vor Ort durchsetzten, wesentlich davon ab, welche Kontroll- und Disziplinierungsmittel die Herrschaftszentrale gegenüber ihren nachgeordneten Agenten besass. Ich möchte die Pro­ bleme, die sich hieraus ergaben, an zwei Fallbeispielen erläutern. Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts ging die Krone von Kastilien gegen den Verfall der Kommunalverwaltung mit der Einsetzung königlicher Auf­ sichtsbeamter, sogenannter 
corregidores, vor, welche die Arbeit der teils gewählten, teils vom König aus den Reihen der Bürger ernannten, teils durch Amterkauf in ihre Positionen gelangten kommunalen Amtsträger kontrollieren sollten. Der 
corregidor wurde zwar von der Stadt, in der er wirkte, besoldet, stammte aber nicht von dort und war allein dem König verantwortlich. Seine Amtszeit betrug im - selten gegebenen - Idealfall nicht mehr als zwei Jahre und endete mit einer 
residencia genannten Prü­ fung seiner Amtsführung. Es lag im Herrschaftsinteresse der Krone und in der Logik der Herrschaftsabläufe vor Ort, dass die corregidores im Laufe des 16. Jahrhunderts immer mehr Materien der kommunalen Ver­ waltung und Gerichtsbarkeit an sich zogen und von einem Aufsichtsor­ gan zur Schlüsselinstitution der kastilischen Kommunalverwaltung wur­ den, auch wenn die Alkladen und 
regidores residuale Kompetenzen be­ hielten. Umgekehrt stärkte die Krone in den Städten, die der Gerichts­ barkeit des Adels oder der Kirche unterstanden, in den sogenannten 
vil- las de senorio, die Position der Bürger und schritt, auch wenn sie eine re­ guläre Rechtsaufsicht noch nicht zu etablieren vermochte, in Fällen von Rechtsbeugung ein.8 7 Vgl. Slack 1980. 8 Elliott 1963a, S. 82 ff. 250
        

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