Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/221/
Volker Press lutistischen Weg nicht mehr zu heilen waren. Joseph II. scheiterte an der Finanzkrise im Türkenkrieg, also an der Türkensteuer, die die Gegenbe­ wegung von Adel und Ständen auslöste, welche den Kaiser am Ende zur Zurücknahme eines grossen Teils seiner Reformgesetzgebung zwang. Leopold II. hat dann die Situation mit einiger Mühe bereinigt. Die Habs­ burgermonarchie musste dadurch zurückkehren zum alten Herrschafts- kompromiss mit dem Adel und zur Wiederbelebung der Stände - beide fanden sich bald in einer neuen Solidarität mit der Dynastie gegen die existenzbedrohende Gefahr des revolutionären Frankreich. Steuerbewil­ ligungen und Kredite der erbländischen Stände, allen voran der böhmi­ schen, wurden entscheidende Voraussetzung des Abwehrkampfes gegen die Revolution, in dem Osterreich zunehmend zur konservativen Vor­ macht aufstieg. All dies verhinderte grundlegende Veränderungen in der Struktur der Monarchie, die damit auf dem Status der unvollendeten josephinischen Reformen stehenblieb, auch wenn periphere Teile Glieder des Rheinbundes wurden wie Tirol oder die ehemaligen Vorlande. Wie Preussen war Osterreich von Napoleon aus Deutschland hinaus­ gedrängt worden; es kehrte in einer rationalisierten Form zurück. Tirol und Vorarlberg wurden wieder, Salzburg neuerdings österreichisch; der Breisgau und die Vorlande gingen jedoch verloren. Die Folge war die Wiedereinrichtung der historischen Länder in rationalisierter Form: Vor­ arlberg kehrte als eigenes Kronland zurück, blieb aber in der Verwaltung mit Tirol verbunden; neu organisiert wurde nach dem herkömmlichen Muster Salzburg, so wie man einst Galizien und die Bukowina neu orga­ nisiert hatte - neben den Adel traten nun auch die Repräsentanten der Städte und der ländlichen Grossgrundbesitzer. Das feudale Übergewicht in den vormärzlichen Landtagen war aber eindeutig. Die staatliche Ver­ waltung drang langsam nach unten durch, dank Armee und Bürokratie. Aber die starke Betonung der "Kronländer", wie sie nun hiessen, der regionalen und lokalen Besonderheit blieb auf der Grundlage ständi­ schen Wesens ein Charakteristikum der Habsburgermonarchie und ihres ins 19. Jahrhunden fortgeschriebenen Herrschaftskompromisses mit dem Adel, selbst wenn sich der Anteil der Städte und Bürger zu Lasten der Kirche verstärkte. Die grosse Krise der Revolution von 1848/49, die die Monarchie erst­ mals mit dem Aufstand der Nationalitäten konfrontierte, überstand das Kaisertum und beantwortete sie mit dem Experiment eines Neoabsolu- tismus, der jedoch schliesslich an seiner primär militärpolitischen Aus­ 240
        

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