Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/22/
Subsidiarität als staatspbilosophiscbes Prinzip? sehender ist, dass das Prinzip sich auf gesamteuropäischer Ebene Aner­ kennung verschaffen konnte und in ein gemeinsames Vertragswerk, das von Maastricht, aufgenommen wurde. Einige Elemente der Vorgeschichte sind allerdings von mehr als nur historischer Bedeutung. Nach dem Subsidiaritätsartikel des Evangeli­ schen Staatslexikons, verfasst von niemand geringerem als Roman Her­ zog, dem derzeitigen Präsidenten des deutschen Bundesverfassungsge­ richtes, haben sich zwar "von evangelischer Seite wichtige kirchenamt­ liche und auch wissenschaftliche Äusserungen . . . für das Subsidiaritäts- prinzip ausgesprochen." Aber. "Seiner Entstehungsgeschichte nach ist das Subsidiaritätsprinzip eindeutig katholischer Herkunft."11 Gegen die Gefahr, das Prinzip doch zu eng mit der katholischen Sozialethik zu ver­ knüpfen, spricht der Umstand, dass zur Vorgeschichte des Subsidiaritäts- prinzips ein Rechts- und Sozialphilosoph gehört, der unter Einfluss von Calvin und der reformatorischen Föderaltheologie steht, der erwähnte Johannes Althusius. Als ein "nur katholisches Prinzip" kann der Ge­ danke der Subsidiarität nicht angesehen werden. Einfluss auf die katho­ lische Soziallehre nimmt Althusius allerdings kaum. Sein Gedankengut war nämlich längst in Vergessenheit geraten, wird erst im Jahre 1880 durch Otto von Gierke wiederentdeckt und entfaltet selbst dann - man muss ergänzen: leider - keine nennenswerte politische Wirkung. Im übrigen ist Gierkes Interpretation etwas zu korrigieren. Obwohl Althu­ sius sich des Vertrags bedient, kann er nicht als - vor-hobbesscher - Be­ gründer der vernunftrechtlichen Lehre vom Gesellschaftsvertrag gelten. III. Quadragesimo anno Weil bis vor kurzem der Subsidiaritätsgedanke eine wesentliche Rolle nur in der katholischen Soziallehre spielte, lassen wir die grössere Be­ griffsgeschichte beiseite und setzen bei der Soziallehre an. Für den Philo­ sophen haben ihre Texte zwar keinerlei autoritative Bedeutung; sie brin­ gen ihm aber den Gehalt der Subsidiarität, insofern sie noch heute von Belang ist, zur Kenntnis. Ausserdem helfen sie, dem Begriff eine relativ präzise Bedeutung zu geben. Der entscheidende Passus der Enzyklika steht im Abschnitt "Societa- tis ordo instaurandus" (Die Gesellschaftsordnung, die einzurichten ist). 11 Vgl. Herzog, Sp. 3570. 25
        

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