Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/219/
Volker Press hatte immer zwei Gesichter; das eine wies ins Reich, das andere nach Ostmitteleuropa. 1526 wurde die letztere Ausrichtung endgültig durch die Erwerbung der Kronen Ungarns und Böhmens, die den ostmitteleu­ ropäischen Charakter der Monarchie und zugleich ihr adeliges Element stärkten. Nun gerieten die westlichen Teile eher an die Peripherie. Mehr noch als in Preussen wurde der Adel zum Mitspieler der Herrschaft. Er verstand es, seine autonomen Bereiche zu sichern und sie zu wirtschaft­ lichen Einheiten auszubauen - die Besitzgrossen waren deutlich ausge­ prägter als in Brandenburg-Preussen, und entsprechend autonomer und einflussreicher die Rolle des Adels. So gewann die Monarchie einen zweiten Januskopf: der Herrscher verklammerte in seiner Person die Länder, die zum Reich gehörten, mit den zwei ostmitteleuropäischen Kronen Ungarn und Böhmen und ihren Nebenländern. Es entstand ein weitgefügter Territorialkomplex, der sich im Gefolge der Türkenkriege des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts immer stärker nach Südosten ausdehnte und damit aus dem Reichsver­ band herauswuchs. Natürlich hatte eine so weittragende Herrschaft Pro­ bleme herrschaftlicher Durchsetzung. Lokale Autonomie, und dies be­ deutete vor allem im Osten: adelige Autonomie, wurde sehr grossge- schrieben. Die Länder, ob innerhalb oder ausserhalb des Reiches, hatten allenthalben ihre ständischen Repräsentationsformen, die Identität und Eigenständigkeit energisch verteidigt, auf die der Herrscher in einem so weitgespannten Reich in entscheidenden Fragen angewiesen blieb. So be­ deutete die Landesverwaltung von den Ländern abwärts jeweils ständi­ sche Verwaltung; die Landes- und Kreisregierungen, der Löwenanteil ih­ rer Finanzen, war in den Händen der Stände. Die habsburgische Politik war auf deren Mitwirkung angewiesen. Damit korrespondierte eine starke lokale und regionale adelige Autonomie, die infolge der Reforma­ tion auch zu einer bemerkenswerten konfessionellen Distanzierung vom Kaiser führte. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam es zu einer drama­ tischen Kollision zwischen Landesherren und Standen, die in den Dreis- sigjährigen Krieg mündete. Die Kollision endete schliesslich mit dem Sieg des Landesherrn, des katholischen Habsburgers. In Wirklichkeit aber ergab sich auch hier ein Herrschaftskompromiss. Der Adel der Erbländer im Reich - vergleich­ bare Versuche in Ungarn misslangen - musste sich zur Katholizität be­ kennen. Die herrschaftlichen Prärogativen wurden festgeschrieben, aber die Stände der Länder behaupteten sich, behielten trotz aller absolutisti- 238
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.