Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/218/
Staatwerdungsprozess in Mitteleuropa sehe Berufung" Preussens. So wurde unter preussischer Führung 1871 das kleindeutsche Reich zusammengefasst. Aber in der Folge erwies sich Preussen dafür als ein zu grosser Baustein, auch wenn man die geschickte Ausbalancierung der Gewichte zugunsten der anderen Bundesfürsten in der bismarckschen Reichsverfassung berücksichtigt. So wurde durch die Identität von preussischem König und deutschem Kaiser das Überge­ wicht des preussischen Staates im neuen Reich noch unterstrichen, so dass man es auch als "Grosspreussisch" bezeichnete - an seiner föderalen Struktur ist indessen nicht zu rütteln. Das Übergewicht Preussens be­ deutete jedoch, dass nach 1918 alle Reichsreformprobleme stets mit dem Problem Preussen konfrontiert waren und dessen Aufgliederung disku­ tierten - wogegen sich der preussische Staatspatriotismus wandte. Die Stärkung der Provinzialparlamente förderte zwangsläufig ein regionales Bewusstsein. Auch erwies sich das republikanische Preussen als ein Hort der parlamentarischen Demokratie, den die Regierung Papen 1932 erst mit einem Staatsstreich beseitigen musste. So problematisch die Rolle Preussens für die deutsche Geschichte vielfach war, für den Nationalso­ zialismus kann man es nicht einfach verantwortlich machen. Doch die Auflösung des Landes Preussen durch den Alliierten Kontrollrat 1947 ersparte den staatlichen Neuanfängen nach 1945 schwierige Probleme. VII. Die besondere Stellung Preussens ist auch geeignet, die Folie für die Analyse des nun zu behandelnden Österreich abzugeben, das 1806 die Kaiserkrone niederlegte, 1815 zur Präsidialmacht des Deutschen Bundes aufstieg und 1866 aus Deutschland hinausgedrängt wurde - so jedenfalls die Grundlinien österreichischer Geschichte aus deutscher Perspektive. Vor allem war im Lauf der frühneuzeitlichen Jahrhunderte die Rolle Österreichs als einer "Monarchie von Ständestaaten", die durch die Per­ son des habsburgischen Herrschers zusammengehalten wurde, gegen­ über dem Reichsverband immer wichtiger geworden. Die spätmittelal­ terlichen Habsburger hatten in ihren Donauländern die typischen Pro­ bleme einer ostmitteleuropäischen Adelsgesellschaft - die Städte traten weit hinter Herren und Ritter zurück. Dagegen zählten Tirol, die vorarl­ bergischen Herrschaften und die österreichischen Vorlande im Reich strukturell zu den Kerngebieten des Reichsverbandes, mit relativ starken Städten und Gemeinden. Die österreichische Herrschaft der Habsburger 237
        

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