Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/216/
Staatwerdiingsprozess in Mitteleuropa VI. Probleme hatte der deutsche Föderalismus vor allem mit Preussen. Es war aus einem über die norddeutsche Tiefebene verstreuten dynastischen Konglomerat entstanden, das diese kaiserferne Zone ausfüllte und dort mit den Mitteln von Armee und Bürokratie ein Hegemonialrolle errang. Preussen vereinigte Gebiete unterschiedlicher Struktur in seinen Gren­ zen. Der Osten, also die brandenburgischen Kernlande und das 1618 er­ worbene (Ost-)Preussen waren gekennzeichnet durch eine sehr starke Position des Adels, gestützt auf das System der Gutswirtschaft. Daneben hatten die landesherrlichen Städte, von den adeligen Dörfern ganz zu schweigen, eine sehr schwache Position. Auch kirchliche und andere Korporationen waren im Neusiedelland in-der Regel nicht besonders ausgebaut. Dies bedeutete, dass sich seit dem Beginn der Hohenzollernherrschaft die Landesfürsten vor allem mit dem Adel auseinanderzusetzen hatten, der bereits gegenüber dem ersten Hohenzollern heftig opponiert hatte und auch der hauptsächliche Träger der im Spätmittelalter entwickelten Landstände wurde.. Als der Grosse Kurfürst sich gegen die märkischen und preussischen Stände durchsetzte, dadurch sein militärisches Aufrü- stungsprogramm realisierte und ihren Einfluss auf die Politik reduzierte, schien dies der Triumph des Absolutismus - aber, er hatte dafür seinen Preis zu bezahlen und lieferte dem Adel die untertänigen Bauern aus. Dem starken Adel - er härte auch eine besondere Stellung in den Kreisen - standen sehr schwache Kommunen gegenüber, die einem wachsenden landesherrlichen Einfluss unterlagen. Anders gesagt: der Staatsbildungs- prozess in Brandenburg-Preussen nahm dem Adel seinen starken Ein­ fluss in der Zentrale, keineswegs aber die Durchdringung des flachen Landes - die Entwicklung ging einen anderen Weg als jene in den Kern­ gebieten des Reiches." Doch dies galt vor allen für den preussischen Osten. In den preussi­ schen Westprovinzen blieben die Stände stärker, gab es eine ausgeprägte ständische Autonomie, eine bedeutendere Rolle von Städten und Ge­ meinden, auch stiess in dieser gemischtkonfessionellen Zone das landes­ herrliche Kirchenregiment auf seine Grenzen. Natürlich versuchten die brandenburg-preussischen Herrscher, ihr System auch im Westen durch­ zusetzen, doch stiessen sie dabei auf eindeutige Barrieren. Die Feuer­ probe der französisch-österreichischen Okkupation der preussischen 235
        

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