Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/215/
Volker Press genden werden sollten und die Mitspräche der Regionen, vor allem der neu integrierten Gebiete absichern sollten sowie gleichzeitig ein Gegen­ gewicht zum Zentralismus bildeten. Ein Gegengewicht bildeten sie aller­ dings auch durch einen verstärkt bürgerlichen Einschlag gegenüber dem Adel, dessen Zurückdrängung durch die rheinbündischen Reformen nicht mehr ausgeglichen werden sollte, wenngleich er durch das ganze Jahrhun­ dert eine bedeutende Position behauptete, zumal im religiösen Bereich. Die Dimensionen wurden allerdings im Lauf des 19. Jahrhunderts immer schwächer - die liberale Bewegung, die die Mitspracherechte von Parla­ menten, Städten und Gemeinden auszuweiten trachtete, verhehlte ihre Di­ stanz zum Adel und seinen weiterwirkenden Einflussmöglichkeiten nicht, ebenso wie gegenüber der wiederkehrenden katholischen Kirche. Histo­ rische Rechte begann man durch liberale und demokratische Formen auf­ zuheben. Wichtig wurde hier, dass die rheinbündische Tradition im We­ sten und Süden stärker verankert war als im Norden und Osten, wo sich ältere Formen weiter konservierten, am stärksten in den Grossherzogtü­ mern Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz, wo sich eine alt­ modische Ständegesellschaft behauptete. Die Revolution von 1848/49 brachte einen weiteren Schritt in diese Richtung; auch wenn die Errungenschaften zunächst wieder zurückge­ nommen wurden, blieb die Reaktionszeit doch nur eine Episode. Die Entwicklung kommunaler und regionaler Eigenständigkeit setzte sich fort und wurde ein immer wichtigerer Baustein der Staatsverfassung. Auch in der deutschen Verfassungsfrage gelangte man 1848/49 zu einem - freilich nur kurzlebigen - Kompromiss, der aus dem Staatenbund einen Bundesstaat machen wollte und den extremen Föderalismus ebenso ver­ warf wie einheitsstaatliche Ideen. Auch das Kaiserreich von 1871 ging diesen Weg; es bedeutet eine Konföderation von Fürsten, die einen Bund schlössen, und damit den künftigen deutschen Föderalismus auf den Boden der dynastischen Legitimation und zugleich in die Traditionen von Reichsverband, Rheinbund und Deutschem Bund stellten. Alle zen- tralistischen Ansätze in der Weimarer Republik, in der Hitler-Diktatur und auch in der DDR haben bislang den deutschen Föderalismus nicht beseitigt, auch wenn er heute seine Probleme hat, sich in ein vereinigtes Europa zu integrieren. 234
        

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