Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/212/
Staatwerdungsprozess in Mitteleuropa Grenzen. Kaiser und Reichsgerichte erwiesen sich als Verteidiger der kor­ porativen Freiheiten von Adel, Kirche, Städten, Landständen, Domkapi­ teln und Untertanen gegen den absolutistischen Zugriff des Landesherrn. Der Kaiser besann sich auf seine Mitsprache in den Territorien als Mög­ lichkeit der Einflussnahme. Die Verrechtlichung des Reichsverbandes si­ cherte auch die Autonomie und Freiräume von Korporationen und Un­ tertanen - im 18. Jahrhundert war man sich dieser Besonderheit der deut­ schen Geschichte sehr wohl bewusst und war auch sehr stolz darauf. V. So haben die grösseren Territorien zunächst die Klammer des Reichsver­ bandes als Einengung empfunden - die kleinen aber begriffen zuneh­ mend, was sein Ende bedeuten könnte. Andererseits zeigte den kleineren Reichsständen, also minderen Reichsfürsten, Reichsgrafen, Reichsrit­ tern, Reichsprälaten und Reichsständen, gerade die revolutionäre Bedro­ hung eine aussichtslose Situation: Die Kosten des Krieges hatten die per­ manente Finanzkrise beträchtlich dramatisiert und ihre Unausweichlich­ keit verdeutlicht; andererseits schien die Revolution die eigene feudale Existenz grundlegend zu bedrohen. Der Untergang des Alten Reiches vollzog sich dann jedoch im Zeichen Napoleons, der auf ein Bündnis mit den arrondierten deutschen Mittelstaaten setzte und die beiden, zudem in ihrer Machtstellung reduzierten Grossmächte Österreich und Preus- sen aus Deutschland hinausdrängte, um selbst sukzessive das Protektorat über den Rest zu übernehmen. Dies bedeutete das Ende des Reichsver- barides, die Errichtung eines Rheinbundes, dessen formaler Protektor Napoleon wurde, und dessen allmähliche Ausdehnung über das nicht- österreichische, nichtpreussische Deutschland. Die Hauptpartner Napo­ leons wurden auf Kosten der einstigen kaiserlichen Klientel arrondierte Mittelstaaten. Auch hier verlief der Arrondierungsprozess nicht gleich- mässig. Aufgrund besonderer persönlicher Konstellationen behaupteten sich kleinere Reichsterritorien wie die beiden Fürstentümer Hohenzol- lern, Salm, von der Leyen, Isenburg-Birstein und .Liechtenstein als Rheinbundstaaten. Zu ihnen kamen noch weitere, die zeitweilig souve­ rän geworden waren und den später integrierten Resten der einstigen preussischen Hegemonialzone entstammten. Die napoleonische Beseitigung des Reichsverbandes öffnete auch die innenpolitischen Schleusen, weil damit der Rechtsschutz der Reichs­ 231
        

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