Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/211/
Volker Press ten Grafen von Hohenems mit ihren Untertanen auf engstem Raum ab­ spielten. Exekutionsmöglichkeiten hatte man nicht, denn die Inan­ spruchnahme fremder Herren war gefährlich, weil der herbeigerufene starke Fürst sich dann breit zu machen drohte. Nun aber lag es nahe, die Standesgenossen, d. h. die Korporation, zur Auffüllung eigener Defizite zu benützen - für die Wetterauischen Grafen hat neuerdings Georg Schmidt diese Problematik recht deutlich gemacht: Zusammenschluss zum Ausgleich staatlichen Defizits. Doch war der subsidiäre Charakter dieser Zusammenschlüsse mit Händen zu greifen; sie wurden vor allem wichtig für Steuerfragen und Disziplinie­ rung von Mitgliedern und Untertanen, soweit letzteres für die Erhaltung der Unabhängigkeit nötig war. Ähnlich war die Situation bei den Reichs­ rittern, wo der einzelne Ritter von seiner Reichsunmittelbarkeit bzw. Quasi-Landeshoheit nur so viel an den Ritterkanton übertrug wie unumgänglich war. Überlegungen von einer korporativen Landeshoheit der Reichsritterschaft oder gar von einem Grafenstaat sind nicht ganz falsch, aber sie haben immer nur subsidiäre Bedeutung gehabt. Schwieriger war das Problem bei den grösseren Territorien oder bei solchen, die in den Verbund grösserer Territorialverbände gerieten. Das galt für Kurhannover und (während seiner Verbindung mit Polen) für Kursachsen, vor allem aber für die österreichischen und brandenburg- preussischen Lande. Die Auseinandersetzung des Grossen Kurfürsten mit seinen Landständen sind bekannt - der Erfolg jedoch konzentrierte sich vor allem auf die Kernlande der Mark Brandenburg und (Ost-) Preussens; in den Westprovinzen blieb die Durchsetzung der landes­ fürstlichen Autorität dahinter deutlich zurück. Preussen bedurfte der Anspannung aller Kräfte auf dem Weg zu einer bürokratisch-absolutisti- schen Militärmonarchie; aber auch Preussen vermochte die lokalen Au­ tonomien nicht völlig auszuschalten. Jüngst hat aber Horst Carl deutlich gemacht, in welch starken Ausmassen die landesfürstliche Autorität auch unter der österreichischen Okkupation der Westprovinzen während des Siebenjährigen Krieges lebendig blieb. Auf die Rolle Österreichs wird noch zurückzukommen sein. Der absolutistische Landesstaat suchte bei der Durchsetzung seiner Ziele Kaiser und Reich zu mobilisieren. Immer wieder diente der Reichs­ tag zur Absicherung landesfürstlicher Ansprüche gegenüber Ständen, Kor­ porationen, Untertanen. Die Legitimation durch das Reich wurde wichtig für die landesfürstliche Politik - doch stiessen die Fürsten bald auf ihre 230
        

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