Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/204/
Staatwerdungsprozess in Mitteleuropa in der sie eine relative Autonomie praktizieren konnten - paradoxer­ weise hat teilweise die Reichsbindung zur Legitimierung dieser Autono­ mie beigetragen, wie bei der Schweizer Eidgenossenschaft, die lange ge­ nug den Reichsadler als Symbol pflegte. Im Zeichen der Verdichtung konnten zahlreiche Positionen an der Pe­ ripherie nicht mehr gehalten werden. Von der problematischen Stellung Reichsitaliens war schon die Rede; immerhin war der Kampf um die Reichsrechte in Italien-der Anlass für Kaiser Maximilians Gegen­ aktionen, die dann den Wormser Reichstag von 1495 und die "Reichsre­ form " auslösten. Der habsburgische Vetter, in Spanien .war dann an die Stelle des Kaisers getreten; im Zeichen spanischer Schwäche hat Ferdinand II. den kaiserlichen Einfluss auf die Reichsrechte'wiederge­ wonnen, Josef I. suchte sie noch einmal am Beginn des.18. Jahrhunderts auszudehnen,' bis hin zum bewaffneten Konflikt mit dem Papst. Im Osten konnte das Reich den Deutschen Orden weder in Preussen noch in Livland stützen. Interessant ist auch die Rolle Böhmens: unter Karl IV. Kernland des Reiches, geriet Böhmen vor. allem durch.die Hussiten­ kriege und das podiebradische und jagiellonische Königrum ausserhalb der Gravitation des.Reiches und machte entscheidende Verdichtungsschübe des Reichsverbandes zwischen 1450 und 1525 nicht mit: die Reichstags­ entwicklung und die Kreiseinteilung. So blieben die zentrifugalen Kräfte stark, auch wenn 1526 durch die Habsburger eine erneute, dynastisch be­ stimmte Anbindung'erfolgte - 1708 kam es sogar zur förmlichen "Read- mission" der-böhmischen Kur im Reichstag. Doch behielt Böhmen mit seinen Nebenlandern Mähren und Schlesien eine Sonderrolle, die sich bald der speziellen Entwicklung der übrigen habsburgischen Erblande anpasste. Die Eidgenossen, in ihrem Kern legitimiert durch königliche Privile­ gien, hatten sich dem Territorialisierungsprozess der Habsburger entzo­ gen, die sich für diesen wiederholt ihrer königlichen Würde bedient hat­ ten. Die Schweizer Orte hielten an ihrer Unmittelbarkeit fest und-be­ haupteten sich in blutigen Auseinandersetzungen nicht-nur, sondern konnten sich auch bis zum Ende des 15. Jahrhunderts beträchtlich erwei­ tern. Weder das verfestigte habsburgische Königtum nach 1438 noch die Verdichtung des Reichsverbandes im adelig-feudalen Sinne war für die Eidgenossen akzeptabel. Die blutige Auseinandersetzung des Schweizer oder Schwabenkrieges zog 1499 eine Grenze, die endgültig blieb. Dies war den Zeitgenossen gewiss nicht bewusst; auch die Formulierungen im Westfälischen Frieden von 1648 blieben offen, entscheidend aber wurde, 223
        

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