Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/203/
Volker Press geschichte am Ende für sich (und die Städte) im Augsburger Religions­ frieden von 1555 festschrieben. Den Traditionen des Heiligen Reiches ge­ mäss wurde allerdings zugleich die Existenz der geistlichen Staaten gesi­ chert. Aber der Augsburger Religionsfriede konnte nicht erneute Posi­ tionskämpfe unter den Konfessionen verhindern, die schliesslich in den Dreissigjährigen Krieg mündeten. Hierbei hatte sich erneut gezeigt, dass die rechtliche Absicherung der Reformation nicht ausgereicht hatte, dass andererseits seit Rudolf IL der Kaiser seinen Rollenkonflikt zwischen Katholizität und Schiedsrichter­ rolle im Reichsverband, d.h. auch in den konfessionellen Konfliktfragen, nicht durchzuhalten vermochte. Damit wurde deutlich, dass die konfes­ sionelle Selbstbestimmung der deutschen Reichsstände nicht genügte, die Situation definitiv zu entscheiden - der Reichsverband bedurfte der übergeordneten schiedsrichterlichen Autorität des Reichsoberhauptes, des Religionsbanns der Fürsten, der Unterstützung von Kaiser und Reich; die grundsätzliche Konfessionsentscheidung allein reichte nicht aus, sie bedurfte der Legitimierung und dann auch der Absicherung durch den Reichsverband. Aber erst nach einem blutigen Dreissigjähri­ gen Krieg und unter dem Patronat der fremden Mächte Frankreich und Schweden kam es zu einer endgültigen, nunmehr funktionierenden Ent­ scheidung in der Konfessionsfrage. Der Westfälische Friede sollte die kaiserliche Autorität weit zurückdrängen, aber es lag auch im Sinne eines Funktionierens des Reiches, dass der Kaiser seine zurückgedrängte Au­ torität nach 1648 zu grossen Teilen wieder herstellte. Auf dieser Basis konnte der Reichsverband bis 1806 weiterfunktionieren. III. Der Konflikt zwischen Kaiser und Fürsten um die Gestaltung des Rei­ ches, auf seinem Höhepunkt etwas euphemistisch als "Reichsreform" bezeichnet, schrieb ein Patt fort. Er förderte auch den Verrechtlichungs- prozess des Reiches, der dann bis zu seinem Ende seine wesentliche Si­ gnatur blieb, Voraussetzung des Überlebens und gleichzeitig des Unter­ gangs. Die "Reichsreform" bzw. der Verdichtungsprozess des Reiches verwob sich eng mit der Reformationsentwicklung; am Ende stand ein verstärktes Zusammenwachsen seiner Glieder, eine Vereinheitlichung des Reiches. Das bedeutete für die Zonen der Peripherie eine Herausforde­ rung - die dortigen Reichsglieder hatten eine besonders lockere Bindung, 222
        

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