Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/201/
Volker Press die Königwahi ein Experiment unter festen Spielregeln, mit Königskan­ didaten, die dem Territorialisierungsprozess entwachsen waren. Für un­ sere Fragestellung heisst dies, dass der deutsche König erhebliche Rück­ sicht auf seine Standesgenossen, die Fürsten, nehmen musste und nahm - und sie in ihrer territorialen Politik gewähren liess. Er selbst musste das Königtum jeweils auf seine Hausmacht bzw. auf seine Erblande gründen und suchte die daraus erwachsenen erheblichen Belastungen seines eige­ nen Besitzes durch starke Privilegierungen desselben zu kompensieren. Daraus entstand eine komplizierte Verschränkung des Königtums mit dem System des Reiches, die sich zudem regional sehr ungleichmässig entwickelt hat. Für unsere Frage ist von entscheidender Bedeutung, dass daraus eine Arbeitsteilung zwischen Kaiser und Fürsten entstand; wäh­ rend es aber den Fürsten bzw. Landesherren zunehmend gelang, ihre lokalen Gewalten einzubinden, stellten sich die deutschen Fürsten im­ mer mehr neben den König. Peter Moraw hat diesen Prozess für das späte Mittelalter eindringlich analysiert. Handeln mit dem und am Reich bedeutete gleichermassen Handeln des Königs und der deutschen Für­ sten; der König handelte als Fürst unter Fürsten einerseits, als König an­ dererseits - hier zeichnete sich ein Rollenkonflikt ab, der bis zum Ende des Reichsverbandes anhielt. Daraus aber folgte eine sehr starke Verlage­ rung des Geschehens auf die Territorien; eine Pattsituation bildete sich heraus, die sich zunächst zu Gunsten der Fürsten aufzulösen schien. Allerdings stabilisierte sich auch das Königtum: seit 1438 - nach dem Ausscheiden der ausgestorbenen Luxemburger aus der königsfähigen Triade - gelang es dem Haus Österreich, die Königswürde bis 1806 zu behaupten, abgesehen von etlichen Thronvakanzen und dem wittelsba- chischen Kaiserexperiment Karls VII. (1742-1745). Dadurch wurde auch die kaiserliche Autorität stabilisiert, wenngleich unter dem Fragezeichen einer fortbestehenden Wahlmonarchie. Trotz zunehmender institutionel­ ler Konstanz gelang es aber dem Kaisertum der Neuzeit nicht mehr, die Pattsituation des späten Mittelalters zu verändern - sie wurde befestigt und festgeschrieben. Seit Ende des 15. Jahrhunderts schien der Reichsverband zu einer Für­ stenoligarchie zu werden, begünstigt durch die Krise des peripheren Kai­ sertums Friedrichs III. Die Aktivitäten Maximilians I. führten jedoch zu einem Verdichtungs- und Modernisierungsschub des Reiches - aber am Ende erneut in eine Pattsituation. Der König bzw. Kaiser konnte seine Prärogativen behaupten, musste aber die Mitregierung des Reiches durch 220
        

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