Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/199/
Volker Press Lage - bei einer noch bescheidenen Bürokratie, beschränkter militäri­ scher Kraft, in der Regel mangelnden Finanzen, seine Ansprüche in direkter Konfrontation durchzusetzen. Ihm ging es mehr darum, Kon­ flikte zu begrenzen und mit Hilfe der Beteiligten oder ihrer Standesge­ nossen eine Schiedsrichterrolle zu spielen. Im Landfrieden lag somit eine der wichtigsten Legitimationen fürstlicher, aber auch königlicher Herr­ schaft. Nicht Machtanspruch, sondern Ausgleich war die Lösung, die in der Vereinnahmung der lokalen Gewalten gipfelte. Herrschaft ruhte so­ mit nicht auf Beseitigung, sondern auf Vereinnahmung lokaler Herr­ schaftsträger - sie stellte Zusammenfassung, nicht Unterwerfung dar, denn man kam nach wie vor ohne das Wirken der lokalen Gewalten nicht aus. Ihnen blieb ein beträchtlicher Teil Eigenständigkeit, denn ohne sie vermochte selbst der bestorganisierte Landesstaat nicht zu funktio­ nieren - eine historische Sichtweise, die nur von der Zentrale ausgeht, vernachlässigt entscheidende Grundlagen der historischen Entwicklung und muss daher einäugig bleiben. IL So sehr im Reich das Territorialisierungsprinzip massgeblich wurde und andere ältere wichtige Organisationsprinzipien wie das Lehenswesen beiseite schob, so gab es doch viele Varianten. Vor allem ist die Kompo­ nente des Königtums nach wie vor nicht wegzudiskutieren - der deut­ sche König war seit dem Hochmittelalter überdies der designierte römi­ sche Kaiser und dessen Existenz war schon deshalb nötig, weil nach der Meinung der Theologen mit dem Wegfall des heilsnotwendigen Kaiser­ tums das Ende der Welt gekommen war. Die Verbindungen des deut­ schen Königtums mit einer imperialen Stellung brachten es mit sich, dass ersteres durch die Kosten des letzteren und vor allem durch seine Italien­ politik stark absorbiert war; das galt vor allem für die späten Staufer, aber auch für Karl V. Doch auch an der östlichen Peripherie des Reiches konnte die königliche Macht aufgesogen werden, so etwa beim Luxem­ burger Wenzel in seinen Auseinandersetzungen mit Hussitentum und Adel Böhmens, bei Sigmund in seinem ungarischen Herrschaftsmittel­ punkt, beim Habsburger Friedrich III. in seinen ständigen Auseinander­ setzungen mit dem östlichen Nachbarn und dem eigenen Adel. Die Verbindung mit dem universalen Kaisertum hat für Deutschland und Italien die Entwicklung zum Nationalstaat gebremst und die Zer­ 218
        

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