Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/181/
Subsidiarität aus ökonomischer Sicht er von den Ideen der neoliberalen Ökonomen voll übernimmt. Nicht so sehr das Individuum, sondern der "freie" Markt als Mechanismus erhalt Priorität, aber dem Staat wird aus sozialem Engagement eine wichtige subsidiäre Rolle zugewiesen. Die Betonung von Markt und Wettbewerb an Stelle von Individuen, Gruppen und gesellschaftlichen Hierarchien unterscheiden den Ansatz von der katholisch-christlichen Sichtweise.4 Ebenfalls auf philosophischer Grundlage beruht - zumindest zum Teil - die scharfe Ablehnung staatlicher Eingriffe in das Wirtschafts- 
und So­ zialgeschehen in den Schriften von Friedrich von Hayek und einigen neoliberalen Ökonomen der "Chicagoer Schule", die den individuellen Freiheitsrechten, definiert als die (passive) Freiheit 
vom Staat, absolute Priorität einräumen und somit den Staat auf einige wenige Ordnungs­ funktionen zurückdrängen wollen. Hier kann allerdings kaum mehr von Subsidiarität gesprochen werden, da intervenierende Subsidiaritätsaufga- ben praktisch abgelehnt werden. Weitere Bezugspunkte ergeben sich in Zusammenhang mit Problem­ kreisen, in denen subsidiäre Hinweise überwiegend auf eng ökonomischen und Zweckmässigkeitserwägungen beruhen. Als erstes sei ein Beispiel aus der Finanzwissenschaft und Finanzpolitik genannt, nicht weil es beson­ ders wichtig ist, sondern weil in diesem Fall gelegentlich der Terminus "Subsidiarität" auftaucht und in spezifischer Weise verwendet wird. Die Finanzwissenschaft, die sich mit der Tätigkeit und Gebarung öffentlicher Haushalte beschäftigt, hat auch häufig Normen für diesen Bereich ent­ wickelt. Zu diesen zählt die sogenannte Dreierformel, wonach die staat­ lichen Aktivitäten den Prinzipien der Sparsamkeit, der Wirtschaftlichkeit und der Zweckmässigkeit entsprechen sollen. Es ist offensichtlich, dass das Prinzip der Sparsamkeit dem Subsidiaritätsprinzip nahekommt,5 da es eine Einschränkung bzw. Zurückhaltung der öffentlichen Tätigkeiten impli­ ziert. Die Kombination dieser Forderung mit dem ökonomischen Prinzip der Wirtschaftlichkeit und dem politisch weit interpretierbaren Prinzip der Zweckmässigkeit bedeutet allerdings, dass es bei der Anwendung zu ganz anderen Abgrenzungen kommen kann als bei jenen, die aus einem sozial­ ethischen Subsidiaritatsbegriff abgeleitet werden. Die langfristige, wenn auch nicht ungebrochene Tendenz zu höheren Anteilen der staatlichen und anderer Öffentlichen Ausgaben im Wirtschaftsgeschehen weist darauf hin, 4 Zur Kritik aus katholischer Sicht siehe Nawroth. 5 Bös, 36 f. 199
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.