Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/180/
Kurt W. Rothschild "fachintern " begrenzt, d.h. sie beziehen sich überwiegend auf rein öko­ nomische Funktionsprobleme wie Effizienz, wirtschaftliches Wachstum, Preisstabilität, Beschäftigung etc. Der Terminus "Subsidiarität" mit sei­ nem weiteren Inhalt kommt dabei (mit wenigen Ausnahmen) nicht zur Geltung. Andererseits gibt es in den wirtschaftstheoretischen und wirt­ schaftspolitischen Diskussionen sehr wohl Fragestellungen, die implizit mit dem "klassischen" Subsidiaritätsproblem in der einen oder anderen Weise verknüpft sind. Im folgenden will ich nun zunächst die Ökonomisch relevanten Aspekte des Subsidiaritätsprinzips darstellen, wie es sich im Rahmen der katholischen Soziallehre und deren Epigonen entwickelt hat, und an­ schliessend daran einige ökonomische Gesichtspunkte und Konfronta­ tionen anführen, die Berührungspunkte mit dem Subsidiaritätsproblem aufweisen, ohne dies direkt zum Ausdruck zu bringen. Die katholische Soziallehre der neueren Zeit, insbesondere soweit sie sich mit ökonomischen Fragen beschäftigte, wurde geprägt durch die Konfrontation mit der Ausbreitung der kapitalistischen Industriegesell­ schaft des 19. Jahrhunderts. Diese war einerseits von einer bis dahin un­ vorstellbaren Steigerung der Produktivkräfte und des materiellen Reich­ tums, andererseits von einem Zusammenbruch traditioneller sozialer Bin­ dungen und dem Elend breiter Schichten der Bevölkerung begleitet. Diese letzteren, negativen Aspekte der kapitalistischen Entwicklung riefen im Bereich der Ideen und Ideologien zwei unterschiedliche Gegenströmun­ gen hervor, die sich gegen die dominante, den Kapitalismus und seine freie Entfaltung bejahende frühliberale Gedankenwelt (Manchesterliberalis­ mus) richteten: den Sozialismus und die katholische (christliche) Sozial­ lehre. Während der Sozialismus den Kapitalismus prinzipiell ablehnte und an seine Stelle ein alternatives, auf kollektiven Grundlagen aufbauendes Wirtschaftssystem setzen wollte, strebte die katholische Soziallehre trotz heftiger Kapitalismuskritik keine Beseitigung des Systems als solchem an, sondern seine Reform und Begründung auf einer christlichen, sozialphi­ losophischen Basis, die sowohl für die Betrachtung der Wirtschaft wie für ihre Gestaltung einen zentralen Platz einnehmen sollte. Frühe Ideen in dieser Richtung stammten von dem Mainzer.Bischof Wilhelm von Ketteier, der sich eingehend mit der sozialen Frage beschäf­ tigte.1 Ketteier und einige seiner Zeitgenossen waren jedoch keine geschul­ 1 Sein Hauptwerk "Die Arbeiterfrage und das Christenthum" erschien 1864. 196
        

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