Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/179/
«Subsidiarität" ist ein Terminus, mit dem die meisten Ökonomen unse­ rer Tage nicht viel anzufangen wissen. Wohl kann man sich darunter ganz allgemein etwas vorstellen, so etwa wenn die Behörden der Euro­ päischen Gemeinschaft vor einiger Zeit auf Kritiken einer zu grossen Brüssellastigkeit der EG-Bestimmungen mit dem Versprechen reagier­ ten, bei der zukünftigen Gestaltung der Gemeinschaft das Prinzip der Subsidiarität stärker zu beachten. Dass dies eine gewisse Verschiebung der Entscheidungsrechte vom Zentrum zu den einzelnen Staaten be­ inhalten sollte, war vom Anlass und vom Begriff her leicht zu erkennen, aber darüber hinaus blieb es eine vage Erklärung mit unbestimmtem In­ halt und unbestimmten Abgrenzungen. Dem geringen Gebrauch des Begriffs "Subsidiarität" in der zeitgenös­ sischen wirtschaftstheoretischen und wirtschaftspolitischen Diskussion steht die Tatsache gegenüber, dass ein "Prinzip der Subsidiarität" in der katholischen Soziallehre (einschliesslich des ökonomischen Bereichs) einen zentralen Platz einnimmt und bis heute - wenn auch nicht mehr so vehement wie in früheren Jahrzehnten - ins Spiel gebracht wird. Dass die­ ser Anstoss (einschliesslich des Begriffs "Subsidiarität") in der Gemein­ schaft der Ökonomen und ihren Diskussionen einen so geringen Nieder­ schlag gefunden hat, hängt wohl vor allem damit zusammen, dass sich die Ökonomen des 20. Jahrhunderts überwiegend als "Fachleute" verstehen, welche das ökonomische Geschehen möglichst genau zu durchschauen und erklären versuchen, ohne jedoch generelle gesellschaftliche Wertun­ gen vorzugeben. Das Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre hingegen ist - wie wir noch sehen werden - ein eindeutig normatives Ele­ ment, ein an die Wirtschaft gerichtetes philosophisch-ethisches Postulat. Selbstverständlich sind auch die Theorien und insbesondere die wirt­ schaftspolitischen Vorschläge und Empfehlungen der Ökonomen nicht frei von normativen Elementen. Doch werden diese meist und bewusst 195
        

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