Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/168/
Hans Geser Zeiten als wohlwollende, fürsorgliche Zentralmacht darzustellen, die be­ strebt ist, durch die Verteilung zusätzlicher Wohltaten öffentliche Aner­ kennung zu gewinnen.19 Man wird hier an den bekannten Rat Macchia- vellis an den Fürsten erinnert: "Gute Dinge sollst Du selber tun, unange­ nehme Dinge sollst Du delegieren." Aus demselben Grund hören die Soldaten verlierender, sich auf dem Rückzug befindlicher Armeen oft deshalb nicht auf zu kämpfen, weil sie sich an ihr Regiment oder ihre Kampfgruppe psychologisch stark gebun­ den fühlen.20 Viele Katholiken sind trotz ihrer Dissidenz gegenüber Papst und offi­ zieller Doktrin Kirchenmitglieder geblieben, nur weil sie in ihrem loka­ len Pfarreileben manch positive Züge sehen. Und politische Parteien vermögen selbst vernichtende nationale Wahlniederlagen ohne Existenzbedrohung zu überstehen, wenn sie über ein Netzwerk lokaler Parteisektionen verfügen, deren Anhänger durch diffuse Gefühle sozialer Solidarität oder durch die Freude an regelmässi­ gen geselligen Anlässen zusammengehalten werden. Wo immer sich eine grössere soziale Organisation 
a epigenetisch " aus dem Zusammenschluss bereits bestehender Subeinheiten bildet, wird sie deshalb die Tendenz zeigen, die Existenz und angestammte Autonomie dieser älteren Teilsysteme in einem gewissen Umfang zu respektieren, um aus ihrer überlegenen Fähigkeit zur Generierung von Legitimation und Autorität und zur Einbindung und Motivierung ihrer Mitglieder Nutzen zu ziehen. So wird ein durch Akquisitionen wachsender Unternehmenskonzern die aufgekauften Betriebsstätten meist intakt belassen, auch wenn sie be­ züglich Grösse und Organisationsstruktur nicht dem Optimum effizien­ ter Produktivität entsprechen, weil Führungskräfte und Mitarbeiter sich mit "ihrer Firma" identifizieren und eine gut eingespielte Betriebskultur aufrechterhalten, die bei der Gründung neuer Subsysteme mühsam von der Ebene des Gesamtsystems her generiert werden müsste. Ebenso sind praktisch alle Staaten - ungeachtet ihrer sonstigen Nei­ gungen zur Zentralisierung - bestrebt, die Städte und Gemeinden auf ih­ rem Territorium nicht nur als administrative Vollzugseinheiten, sondern auch als politische Gebietskörperschaften anzuerkennen, selbst wenn 19 Preteceille. 20 Vgl. George; Roghmann/Ziegler. 182
        

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