Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/162/
Hans Geser - die Subsysteme einen Autonomiezuwachs erhalten, weil sie ihre Um­ welt durch eine zusätzliche Ressourcenquelle bereichert sehen, von der sie wahlweise Gebrauch oder Nichtgebrauch machen können. 4. Die "neue Subsidiarität" als Folge der disproportional zunehmenden funktionalen Beanspruchung kleiner sozialer Systeme Unzählige empirische Befunde in der Soziologie, Politologie, Betriebs­ wissenschaft, Militärwissenschaft usw. legen die Verallgemeinerung nahe, dass alle organisierten Sozialsysteme, die einen Prozess wachsender Grösse und Komplexität durchmachen, früher oder später die Vorzüge ihrer "kleinen Subeinheiten" wieder neu entdecken und sehr vieles tun, um solche Subeinheiten am Leben und funktionsfähig zu erhalten, weil sie einsehen, dass das Uberleben des Gesamtsystems davon abhängig ist. So hat die Betriebssoziologie schon seit Jahrzehnten das "Arbeits­ team" als potenten Träger von Koordinationsleistungen und als Medium individueller Sozialisation und Motivierung entdeckt, während in der Militärwissenschaft erkannt wurde, dass die Einsatzbereitschaft von Ar­ meen völlig von der "Moral in der kleinen Kampfgruppe" abhängt und die Verwaltungswissenschaft nicht um die Schlussfolgerung herum­ kommt, dass die Gemeindeebene im modernen Staat auf ganz neue Weise eine unersetzliche Bedeutung gewinnt. Nicht selten entsteht eine echte "neue Subsidiarität" in dem Sinne, dass sich das ganze umfassende System immer ausschliesslicher als Un­ terstützungsagentur für seine Subeinheiten organisiert, ohne darüber hinaus eigenständige Ziele zu verfolgen. So spricht vieles dafür, dass man die vielleicht vollkommensten Bei­ spiele echter Subsidiarität heute in modernisierten privatwirtschaftlichen Konzernstrukturen findet: zum Beispiel in der schwedisch-schweizeri­ schen ABB, die ihre 25 000 Mitglieder in 5000 selbständig funktionie­ rende "profit centers" aufgeteilt hat und ihre Konzernzentrale völlig dar­ auf ausgerichtet hat, diesen produktiven Subeinheiten bei ihrer gewinn- strebigen Tätigkeit zur Seite zu stehen.9 In analoger Weise besteht praktisch die einzige relevante Funktion von Schulverwaltungen darin, optimale Bedingungen für das Sozialsy- * Peters, passim. 176
        

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