Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/159/
"Subsidiarität" im gesellschaftlichen Wandel Denn indem diese Rechtsunterschiede ausschliesslich durch die Freiheit des Beliebens seitens des Herrschers entstehen, markieren sie umso deut­ licher die Gleichmassigkeit des Unterworfenseins, mit dem ihm die Un­ tertanen a priori gegenüberstehen. In dem genannten Beispiel wird dies vorzüglich dadurch charakteri­ siert, dass die Privilegien zwar dem Inhalt nach sehr ausgedehnt, aber die Dauer sehr kurz bemessen waren: der Rechtsvorzug löste sich nie von der Quelle, aus der er floss"5 Im Gegensatz dazu sehen sich jene Eliten und Führer am stärksten in der "Falle" hoher Zentralisierung gefangen, die - wie z.B. viele diktato­ rische Regimes in Drittweltländern - bei jedem Dezentralisierungsschritt den irreversiblen Zerfall ihrer Herrschaftsordnung riskieren. So darf auch der umfassende Kontrollanspruch des "absoluten Staa­ tes" keineswegs als authentischer Ausdruck einer konsolidierten Autori­ tätsstellung gewertet werden, sondern ist im Gegenteil zu sehen als Symptom einer prekären, vielfältig bedrohten Zentralgewalt, die ihre Herrschaftsintentionen täglich neu zur Darstellung bringen muss, um ihre Glaubwürdigkeit zu behalten. Auf diese Weise wird beispielsweise auch verständlich, warum gerade aus der Perfektionierung moderner Kontrolltechniken (z.B. auf der Basis von Mikroelektronik und Telekommunikation) früher unbekannte, äus­ serst weitreichende Möglichkeiten unternehmensinterner Dezentralisie­ rung entstanden sind,6 so dass moderne Unternehmungen die Fähigkeit erwerben, die funktionalen Vorteile gigantischer Grosse einerseits und mikroskopischer Kleinheit andererseits auf bisher unerreichtem Niveau zu kombinieren.7 3) Die empirische Forschung hat - insbesondere im Bereich der Organi­ sationssoziologie - eine Fülle von Ergebnissen erbracht, die dazu zwingen, a) "zentralisierte Kontrolle" und "dezentralisierte Kontrolle" als zwei in ihrer Quantität zumindest relativ unabhängig variierende Dimensionen zu begreifen; b) den Gesamtumfang an zu verteilender Kontrolle als variabel zu be­ trachten. 5 Simmel, 114 f. * Vgl. Peters, passim. 7 Vgl. Peters, passim. 173
        

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