Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/157/
"Subsidiarität" im gesellschaftlichen Wandel Ganz generell setzt nun aber der Subsidiaritätsbegriff voraus, dass zwi­ schen dem Ausbau der umfassenden Systemebene (= Zentralisierung) und der Autonomie der Subsysteme (= Dezentralisierung) nicht (bzw. nicht nur) ein substitutives, sondern auch ein komplementäres Verhältnis besteht: so dass es nötig wird, die Umfange an zentralisierter und an de­ zentralisierter Kontrolle als zwei voneinander unabhängig variierende Dimensionen zu behandeln (Figur 1). Figur 1 Zentralisierte Kontrolle Dezentralisierte Kontrolle Es sind im wesentlichen drei Gründe, die eine derartige analytische Mo­ difikation erzwingen: 1) Wenn mit "Subsidiarität" nicht bloss ein Wunsch, eine Hoffnung oder ein faktischer Zustand, sondern eine Maxime des praktischen Han­ delns (z.B. in ordnungspolitischer Hinsicht) bezeichnet werden soll, so muss eine Akteurinstanz ausgebildet sein, die die Fähigkeit hat, durch eine bestimmte Weise der Allokation von Kompetenzen die Norm der Subsidiarität zu praktizieren (bzw. dagegen zu Verstössen). Grundlegende Voraussetzung dafür ist die Existenz eines Systems, das über ein (einziges) autoritatives Entscheidungszentrum verfügt, welches in der Lage ist, verbindliche Entscheidungen zu treffen und zuverlässig durchzusetzen. Ein paradoxer spezieller Anwendungsfall dieser Fähig­ keit liegt dann vor, wenn die im Systemzentrum getroffenen Entschei­ dungen darauf ausgerichtet sind, die Machtfülle und Kontrollwirkungen eben dieses Zentrums zugunsten der Autonomieentfaltung der Subein- heiten verbindlich zu restringieren oder gar neue Subsysteme zu konsti­ tuieren, die mit dauerhaften Selbstbestimmungskapazitäten ausgestattet werden. 171
        

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