Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/152/
Hans Geser Im ersten Teil wird danach gefragt, unter welchen Antezedenzbedin- gungen und in welchen, Bedeutungen der Begriff "Subsidiarität" realiter Verwendung findet, und welche sozialen Wirkungen aus diesem Wortge­ brauch entstehen. Dabei erweist es sich, dass dem Begriff immanente Mehrdeutigkeiten eigen sind, die sich auf Systeme, in denen Subsidiarität zum Diskussionsthema wird, dynamisierend und konfliktfördernd aus­ wirken können. Im zweiten Abschnitt wird die Frage gestellt, inwiefern "Subsidiari­ tät" ein mittels soziologischer Begrifßichkeit und Theorie nachkon- struierbares Phänomen bezeichnet - obwohl sich die Genese des Begriffs weitgehend ausserhalb soziologischer Traditionen vollzog. Dabei wird es nötig, einige analytische Differenzierungen auf systemtheoretischer Ebene vorzunehmen, um "Subsidiarität" als Sonderfall eines komple­ mentären Funktionsverhältnisses zwischen zwei (oder mehr) Systemebe­ nen fassbar zu machen. Im Mittelpunkt des dritten Abschnitts steht schliesslich die Frage nach aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, die auf die realen Ent­ stehungschancen und Uberlebensbedingungen subsidiärer Organisa­ tionsstrukturen Einfluss haben. Das Fazit wird sein, dass "Subsidiarität" - an sich schon ein äusserst voraussetzungsvolles Phänomen - in modernen Gesellschaften zuneh­ mend breitere Entfaltungschancen findet, weil Organisationen aller Art mit wachsender Grösse, Komplexität und Umweltdynamik genötigt sind, ihre Steuerungsschwerpunkte relativ stärker auf das Niveau ihrer kleinen, kollokal konstituierten Subsysteme zu verschieben. 2. Zur Mehrdeutigkeit und "Janusgesichtigkeit" des Subsidiaritätsbegriffs Die Idee der "Subsidiarität" erscheint typischerweise in relativ komplexen, hoch organisierten Sozialordnungen, in denen man plötzlich feststellt, dass in der Vergangenheit unbemerkt sehr weitgehende Prozesse der Zentrali­ sierung abgelaufen sind, die - weil sie Unbehagen, Unruhe oder sogar re­ volutionäre Stimmungen auslösen - nach einem Korrektiv verlangen. Es handelt sich dabei um eine - meist nur mit mässigem Enthusiasmus vorgetragene - Idee institutioneller Reform, basierend auf dem Gedan­ ken, dass Aufgaben, die momentan in durchaus befriedigender Weise von der umfassenden Systemebene wahrgenommen werden, ebensogut oder 166
        

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