Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/139/
So viel Staat wie nötig, so wenig Staat wie möglich mutet wurde. Anhand seiner historischen Befunde aus dem 19. Jahrhun­ dert und Anfang des 20. Jahrhunderts behauptet Laroui treffend: "Le 'makhzen' ne nie pas ce fait tribal, il l'affirme et meme Pexhibe. On a trop souvent surestime Popposition tribu/Makhzen, comme si celui-ci voulait faire disparaitre celle-lä" ... "La 'siba* faisait partie integrante du systeme."58 Diese Feststellung erkennt im Endeffekt, dass es dem "mahzan" als "grosse" Gruppe seit mehreren Jahrhunderten gelungen war, die "klei­ nen" Stämme des "bled es siba" in welcher Form auch immer "einzukap­ seln". Montagne drückt diesen Sachverhalt sozialpsychologisch aus: "La 'siba', la revolte peut etre regardee en pays soumis comme une veritable institution. C'est eile qui permet aux tribus de se delivrer un instant de leur servitude, de reprendre leurs biens tombes en posses- sion du Makhzen, de goüter pendant quelques annees les joies de l'an- archie, pour mieux reprendre plus tard leur place dans PEmpire auquel elles sont liees desormais pour toujours."59 Obwohl die Beziehungen zwischen "mahzan" und "siba" bis heute nicht unproblematisch sind, stellt Marokko gerade auf Grund dieser eigenarti­ gen politischen Konstruktion eines der stabilsten Länder im Maghreb und im Mittelmeerraum dar. Ähnlich wie bei den bereits zitierten Beispielen aus Südamerika und Asien ist das konfliktgeladene Gleichgewicht zwischen "einkapselnden" Makro- und "eingekapselten" Mikro-Strukturen in entscheidender Weise von dem perfomativen und personalisierten Agieren verhandelnder Ver­ mittler abhängig. Interessant ist es, dabei festzustellen, dass der Monarch und seine Gesandten im "bled es siba", die "caids", diese Aufgaben inne hatten, indem sie die Rolle des Schiedsrichters bzw. des Schlichters zwi­ schen Zentralverwaltung und Stämme übernahmen. Der Sultan gilt somit als die oberste Autorität des "mahzan" aber zugleich als Beschützer der "siba". Wie Gellner formuliert hat, ist der marokkanische König bis heute kein absoluter Herrscher im engen Sinne des Wortes, sondern eher ein "grosser Patron", der stets einen diffizilen, fast akrobatischen Balanceakt M Laroui, 157 und 163. 49 Moniagne, 385. 151
        

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