Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/113/
Zusammenfassung der Diskussion der Selbst- und Mitbestimmung aller Consociationen. Die Subsidiarität kommt darin zum Ausdruck, dass die kleinere Gemeinschaft an die grös­ sere nur soviel abgibt, als zur Zweckerfüllung notwendig ist. Träger der Souveränität ist das Volk, Volk verstanden nicht als Summe von Indivi­ duen, sondern als consociativ gegliederter Gesamtkörper. Griffiger noch als'bei Althusius kommt der Subsidiaritätsgedanke in der Bundesstaatstheorie von Ludolphus Hugo (1661) zum 1 Ausdruck, und zwar in zweifachem Sinne: Einerseits sollen die Gliedstaaten nur so­ viel Kompetenzen an das Reich abgeben, als die gestellten Aufgaben ihre Kräfte übersteigen oder von ihnen weniger gut erfüllt werden können. Anderseits dürfen die Gliedstaaten tätig werden, wenn es das Reich ver­ säumt, seine Befugnisse auszuschöpfen: «... und dass ausserdem jene Angelegenheiten aufgrund vereinter Macht und Beratung erledigt werden, welche die:Kräfte der einzelnen Stände übersteigen oder aber in den einzelnen Provinzen nicht gleich gut wie auf der Reichsstufe bewältigt werden können ... Was nämlich vom Reich vernachlässigt wird, ist von den Ständen allein gemäss ihrem Gutdünken und Vermögen zu erledigen.»s Aus heutiger Sicht erscheint das vielschichtige, vielfältige, flexible, modern ausgedrückt: kybernetische Modell-des Föderalismus von Althusius viel gehaltvoller als die Verkürzung, Verengung,- Erstarrung und Kanonisierung des zwei- oder dreistöckigen Bundesstaates. Das amerikanische, deutsche und schweizerische Bundesstaatsverständnis verhält sich zum Föderalismus des Althusius wie ein geschlossenes zu einem offenen System, fernab juristischer Spitzfindigkeiten und Haar­ spaltereien. Es könnte auch für die undogmatische Weiterentwicklung der- Europäischen Gemeinschaft nach Maastricht fruchtbar gemacht werden." In seinem Votum zum Referat Höffe verwies Hans Christoph Bins- wanger auf Plato, der in den Gesetzen von kleinen, teil-autarken "Poleis" ausgegangen sei. Subsidiär zu diesen Poleis habe der hellenische Markt eine Rolle gespielt, da die einzelne Polis nicht vollkommen autark gewe­ sen sei. Dieser Markt sei durch das hellenische Gold- und Silbergeld 5 Hugo, Ludolphus: De statu regionum Germaniae. Helmstedt, 1661 (zitiert nach der Aus­ gabe Giesen, 1689), 11/14 (S. 44), 11/15 (S. 46). 123
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.