Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/111/
In der Einleitung zu der von ihm moderierten Diskussion versuchte Alois Riklin, die mutmasslichen Positionen der für die Tagung nicht mehr rechtzeitig eingetroffenen schriftlichen Diskussionsbeiträge von Gerhard Goeters und Thomas O. Hüglin einzubringen. Im folgenden wird, um die Abwesenheit von Goeters und Hüglin auszugleichen, das Votum Alois Riklins teilweise im Wortlaut wiedergegeben: "Die gängige Rückführung des Subsidiaritätsgedankens auf die katho­ lische Soziallehre greift zu kurz, da sie sich wortklauberisch an den Ter­ minus und nicht an den Sinn klammert. Sinngemäss findet sich die Sub­ sidiarität, wenn nicht schon bei Aristoteles, Thomas von Aquin und Dante', so doch bestimmt in der reformierten Föderaltheorie im 16. Jahrhundert, in der grossen Summe der Politik von Johannes Althusius im frühen 17. Jahrhunden und in der Föderalismustheorie von Ludol- phus Hugo in der Mitte des 17. Jahrhunderts. In der reformierten Föderaltheorie stellte sich das Subsidiaritätspro- blem, sobald das Verhältnis zwischen übergeordneten Synoden und Basis­ gemeinden zu lösen war. Im Gegensatz zum wachsenden Zentralismus der römisch-katholischen Kirche betonte das calvinistische Kirchenrecht die Autonomie der Gemeinde. In den Beschlüssen der Synode von Emden (1571) findet sich eine der frühesten Quellen des Subsidiaritätsprinzips: «Keine Gemeinde darf über die anderen Gemeinden das Primat oder die Herrschaft an sich reissen ... Provinzial- und Generalsynoden soll man nicht Fragen vorlegen, die schon früher behandelt und auf Gemeindeebene [?] entschieden worden sind,... und zwar soll nur das aufgeschrieben werden, was in den Sitzun­ 1 Zu Aristoteles siehe das Referat Hoffe, zu Thomas und Dante siehe Oswald von Nell- Breuning: Baugesetze der Gesellschaft, Solidarität und Subsidiarität, Freiburg i. Br. 1990, S. 87 
f. 121
        

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