Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/105/
Althusius - Vordenker des Subsidiaritätsprinzips bleibt allen die kooperative Bereitschaft zur Herstellung gleichartiger Lebensbedingungen aufgegeben. Subsidiarität kann in diesem Sinne aus Althusius also nicht als ein Entscheidungsmechanismus, sondern immer nur als eine qualitative Anleitung für angemessene Kompetenzverteilung herausgelesen werden. 3. Zusammenfassung Subsidiäre Verankerung aller Herrschaftsmacht ist die verfassungsmäs­ sige Grundlage des Gemeinwesens. Dabei geht es Althusius nicht nur um eine grundsätzliche Kompetenzvermutung zugunsten der jeweils niedrigeren Gemeinschaftsstufe, sondern vor allem um die Begründung von Herrschaftbefugnis aus der Einvernehmlichkeit aller Teileinheiten. Im Gegensatz zur dualistischen Gegenüberstellung von Herrscher und Volk fusst Subsidiarität bei Althusius auf einer konstitutionellen Einbindung komplementärer Rechtsbereiche. Dabei liegt aber das We­ sentliche nicht in einem "für sich behalten", was man lieber selber ent­ scheiden möchte, sondern in einer den sozialen Bedürfnissen insgesamt entsprechenden Verteilung von Macht und Herrschaft auf die jeweils an­ gemessenste Verwaltungs- und Regierungsebene in einer vielgliedrigen Föderation. Subsidiarität wird so zum Gestaltungsprinzip sowohl für die Beibe­ haltung partikularer Eigenständigkeit als auch für die Bereitschaft zum sozialen und regionalen Ausgleich. Mindeststandards müssen von allen eingehalten werden können. Nur wenn dies nicht der Fall ist, darf die übergeordnete Instanz "von oben" und "subsidiär" eingreifen und aus­ gleichen. Man darf diese Überlegungen insgesamt aber nicht einfach als mecha­ nistisches Entscheidungsmodell verstehen, sondern eher als eine qualita­ tive Anleitung für gemeinschaftliches Handeln als politische Kultur. Als Vordenker des Subsidiaritätsprinzips bietet Althusius in diesem Sinne eine gemeinschaftsorientierte und kooperative Alternative zur Grundle­ gung der Rahmenbedingungen individuellen Handelns in einer konkur­ renzierenden Marktgesellschaft bei Thomas Hobbes. 113
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.