Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000062648/101/
Althusius - Vordenker des Subsidiaritätsprinzips Am Beispiel der Provinz macht Althusius besonders deutlich, was der eigentliche Zweck föderalistischer Ausgrenzung engerer Lebens- und Gemeinschaftsbereiche ist. Für den Stadtpolitiker Althusius ist diese Ausgrenzung besonders wichtig, und er hat die Kapitel über die Provinz seinem Buch erst in den späteren Ausgaben hinzugefügt, also nach sei­ nem Amtsantritt in Emden. Es geht ihm hier um Autonomie und politi­ sche Mitwirkungsrechte der Landstände., welche er als den geistlichen sowie den Adels-, Städte- und Bauernstand genauer umschreibt.36 Die gewaltenteilige Mitwirkung der Stände an der Politik ist notwen­ dig wegen der komplexen Vielseitigkeit provinzieller Verwaltungsaufga­ ben, welche von einem allein nicht bewältigt werden können.17 Dieses Argument führt Althusius möglicherweise nicht zuletzt ins Feld, um dem provinziellen Grafenhaus ständische Mitwirkung schmackhafter zu machen. Der eigentliche Grund provinzieller Gewaltenteilung ist ein an­ derer. In vermeintlich untertäniger Bescheidenheit verweist Althusius auf "Spuren jener Freiheit, welche den Mitgliedern der Provinz erhalten bleibt, wenn sich alle und jeder an der Besorgung öffentlicher Angele­ genheiten beteiligt sehen"38 Wie weit diese Spuren der Freiheit aber in Wirklichkeit reichen sollen, macht er gleich klar, wenn er dem Provinz-Präfekten vorhält, dass er den einvernehmlichen oder Mehrheitswillen der Stände auf keinen Fall über­ stimmen kann.39 Dies ist umso bemerkenswerter, als Althusius nicht glaubwürdig an der Tatsache vorbeigehen kann, dass im Reich die Für- cionen prinzipiell durch die "natürlichen" Unterschiede zwischen Mann und Frau unter­ scheidet. In der Betonung "gegenseitiger" Rechte und Pflichten aber, und überhaupt in der Betonung, dass Familienordnung privat, aber dennoch Teil des Politischen ist, mag man immerhin eine grundsätzliche Begrenzung patriarchalischer Willkür sehen. Siehe insbesondere (1. 46). 16 (VIII. 4, 40). Bedeutsam ist hier der ausdrückliche Einschluss des Bauernstandes entge­ gen der Praxis im Reich, aber im Einklang mit derjenigen in Ostfriesland. Dies unter­ streicht den Anspruch einer allumfassenden Bestimmung des Politischen, ist aber auch in praktischer Hinsicht bedeutsam; Man bedenke etwa das Scheitern der Autonomie der oberitalienischen Stadtrepubliken - nicht zuletzt am unvermittelten Gegensatz zwischen Stadt und Land. 37 Non enim unus potest sufficere ... (VIII. 3). 31 Vestigia quaedam libertatis provincialibus reservantur, dum omnes & singuli vident, se quoque ad curam rerum publicamm admitti (ibid.). Althusius verweist in (XIIl. 67) auf die entsprechende Formulierung bei seiner Diskus­ sion der Abstimmungspraxis im Reichstag. Dort (XXXIII) heissc es, dass die Stände den Herrscher vereint überstimmen können, weil mehr Autorität und Macht bei den vielen ist, als bei dem einen, welcher von diesen bestellt wurde: Sententia igitur universorum statuum & ordinem praevalet praesidiis seu summi magistratus sententiae. Nam major autoritas & potestas in multis, quam in uno, qui a multis illis est constituto ... 109
        

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