Kat. Nr. 45 
BERNARDO BELLOTTO (1720-1780) 
«DAS GARTENPALAIS LIECHTENSTEIN IN WIEN, 
SEITENANSICHT» (1759/60) 
Leinwand; 99,7 X 159,6 cm 
Inv. Nr. G 887 
Erworben: 1759/60 nach Auftrag durch Fürst Joseph Wenzel vom Künstler 
In noch geringerem Maße als die Gartenansicht der liechten- 
steinischen Sommerresidenz in der Roßau (siehe Kat. Nr. 44) 
ist das ebenfalls von Fürst Joseph Wenzel in Auftrag gegebene 
Pendant mit der Südostecke des Palastes als herrschaftliches 
Repräsentationsgemälde konzipiert. Bellotto schildert die ge- 
ruhsame Erholung adliger Personen in warmer Sommersonne 
auf einer seitlich des Palastes gelegenen Terrasse. Vorbei am 
massiven, sehr reizvoll in Licht- und Schattenzonen unterteilten 
Baukörper wandert der Blick über einen Innenhof hinaus auf das 
den Garten begrenzende «Belvedere», das Bellotto als Standort 
für die Darstellung der Gartenfassade diente. Johann Bernhard 
Fischer von Erlach errichtete 1689 diese elegante, triumphbo- 
genartig angelegte Aussichtsarchitektur, die schon 1873 einem 
anderen Bauwerk Platz machen mufte. Jenseits des «Belve- 
dere» und der Kirche des von Fürst Johann Adam gegründeten 
Vorortes Liechtenthal erheben sich der Kahlenberg, auf 
welchem wáhrend der Türkenbelagerung Wiens im Jahre 1683 
das siegreiche Entsatzheer versammelt wurde, sowie der 
Leopoldsberg, dessen Burg bereits bei der ersten Belagerung 
Wiens durch die Türken 1529 zerstórt wurde. 
Wie für das Pendant fertigte Bellotto auch hier Vorzeichnungen 
der Personen und des Hundes mit Feder in brauner Tinte an!. 
Wien war dem in Venedig geborenen Bernardo Bellotto von 
1759 bis 1761 Zufluchtsort, nachdem Dresden, wo er zuvor für 
Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen arbeitete, im «Sie- 
benjährigen Krieg» durch preuBische Truppen besetzt wurde. 
Über München kehrte er wieder nach Dresden zurück. 1767 
übersiedelte er dauerhaft nach Warschau und wurde ein Jahr 
spüter vom polnischen Kónig Stanislaus II. August zum Hof- 
maler ernannt. Neben seinem Onkel Antonio Canal (Canaletto), 
bei dem er seine künstlerische Ausbildung erhielt, und Fran- 
cesco Guardi gehórt Bernardo Bellotto zu den bedeutendsten 
venezianischen Vedutenmalern des 18. Jahrhunderts. U.W. 
! Siehe S. Kozakiewicz, Bd. II, S. 219, Nr. 277; S. 220, Nr. 278 und 279. 
Ausstellungen und Literatur: Seite 156/157 
104 
  
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.