Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/98/
Goldenes Zeitalter der Kleinstaaten t Hans Adam sieht aber auch ansonsten für den Kleinstaat produktiv zu nutzende 
inno­ vative Nischen: "Aber selbst für einen Kleinstaat in der Grösse Liechtensteins, der nicht das Glück hat, den Schweizer Franken benützen zu können, sind Alternativen denkbar, bis hin zur eigenen Währung. Allerdings müsste man sich im Falle einer eigenen Währung von der Papier­ währung verabschieden und auf eine reine Metallwährung umsteigen, wenn man keine Restriktionen am Devisenmarkt einführen will. Gold- und Silbermünzen eines Kleinstaates könnten ähnlich wie die liechtensteinischen Briefmarken auch noch das Interesse des Samm­ lers finden. Bei einer vernünftigen und konservativen Währungspolitik, welche auf die Schwankungen der Metallmärkte Rücksicht nimmt, könnte sich so ein Staat in relativ kurzer Zeil erhebliche Devisenreserven zulegen. Wirtschaftlich wäre also ein moderner Kleinstaat in der Grösse Liechtensteins auch ohne Anlehnung an einen Grösseren sehr wohl konkurrenzfähig. Militärisch wäre er auch mit der modernsten Militärtechnologie zu schwach, um sich wirksam zu verteidigen. Falls er nicht das Glück hat, wie Liechtenstein, zwischen zwei so guten Nachbarn zu leben wie die Schweiz und Osterreich, bleibt immer noch die Möglichkeit eines Militärbündnisses. Aber bereits ein Staat in der Grösse Luxemburgs hätte meiner Ansicht nach ein beachtliches Abwehrpotential." Goldenes Zeitalter der Kleinstaaten? Die Reflexionen Hans Adams verraten, dass er auch mit den Konzeptualisierungsversuchen einer modernen 
Theorie des Kleinstaates vertraut ist und diese zu würdigen weiss: "Die wirtschaftlichen und militärischen Entwicklungen zeigen, dass sich die Umwelt­ bedingungen für die Kleinstaaten radikal verbessert haben und sich voraussichtlich noch weiter verbessern werden. Seit dem Ende des Mittelalters waren wahrscheinlich die Bedin­ gungen für den Kleinstaat nicht mehr so günstig wie heute. Der österreichische Prof. Kohr, der nach Amerika ausgewandert ist, war der erste, der dies erkannt hat. Als selbst die Klein­ staaten nicht mehr an ihre Zukunft glaubten, blieb Prof. Kohr bei seiner Überzeugung. Es war eine grosse Freude für mich, ihn vor einigen Jahren persönlich kennenzulernen. Von ihm beeinflusst hat Prof. Schumacher den bekannten Satz geprägt: Small is beautiful. Stehen wir vor einem goldenen Zeitalter der Kleinstaaten? Vieles spricht dafür. Wir leben in einer Zeit, in der viele menschliche Werte verlorengegangen sind. Die Welt wird immer komplexer und dadurch unverständlicher. Im Kleinstaat werden wir wieder zurückgeführt auf eine menschliche Dimension und in eine Welt, die wieder überschaubarer wird. Freiheit und Selbstbestimmungsrecht sind Werte, für die viele Menschen ihr Leben geopfert haben. Durch ein gütiges Schicksal musste noch kein Liechtensteiner für die Freiheit seiner Heimat sterben. Es gab aber Zeiten, da wäre es wirtschaftlich vorteilhafter gewesen, auf die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht zu verzichten und sich einem der beiden Nachbarländer anzuschliessen. Trotzdem sind wir Liechtensteiner geblieben, denn es gibt im Leben eines Menschen auch andere Werte, die wichtiger sind wie der Wohlstand. Die menschlichen Werte können sich auch im Kleinstaat nur entfalten, wenn der Staat nicht Freiheit und Selbstbestimmungsrecht für sich beansprucht, sondern für die Menschen, die darin leben. Das bedeutet, dass sich der Staatsapparat auf das beschränkt, was seine Auf­ gaben sind. Besetzt der Staatsapparat Freiräume, die der freie Mensch besser ausfüllt, werden sich die menschlichen Werte nicht entfalten können." Darüber hinaus schlägt das Herz Hans Adams cum grano salis für die 
direkte Demokra­ tie: "Der Mensch im modernen Staat muss die Möglichkeit haben, auch bei Sachentscheiden mitzubestimmen, falls er dies wünscht. Dies ist aber nur in der direkten Demokratie möglich. - In den Ländern ohne direkte Demokratie stehen die herrschenden Eliten, aber auch viele gebildete Menschen der direkten Demokratie oft misstrauisch gegenüber. Sie trauen dem berühmten Mann auf der Strasse das politische Urteilsvermögen nicht zu. Nachdem ich in 98
        

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