Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/96/
Die Zukunft des Kleinstaates Verzicht auf Freizeit. Leider ist in der Politik Dankbarkeit die Ausnahme und nicht die Regel und jeder muss mit berechtigter und unberechtigter Kritik rechnen, besonders zu Wahl­ zeiten. Diese Kritik sollte aber nicht so weit führen, dass immer weniger Menschen bereit sind, für die Öffentlichkeit tätig zu sein."55 Sein 
Verfassungsverständnis veranschaulichte Hans Adam aus Anlass einer Ansprache an der Jungbürgerfeier in Ruggell vom 8. November 1986M mit einem bildhaften Vergleich: "Die liechtensteinische Verfassung legt die politische Macht im Staat auf zwei... Träger. Der eine dieser Machtträger ist das Volk, der andere der Fürst. Beide sind gleichberechtigt! ... Man kann unseren Staat mit einem Menschen vergleichen, der auf zwei Beinen steht. Beide Beine müssen sich bewegen, wenn man voranschreiten will." Die liechtensteinische Praxis habe überdies "gezeigt, dass weder dem Fürsten noch dem Volk ein Stein aus der Krone fällt, wenn der andere nein sagt. Entweder sucht man nach einer Lösung oder legt das Thema für einige Zeit auf die Seite." Allzulange wird eine Problemvertagung von ihm allerdings nicht goutiert. Seit 1984 hatte Hans Adam den 
UNO-Beitritt Liechtensteins empfohlen. Er hätte sodann im Dezember 1989 als gerade regierender neuer Landesfürst den Landtag nicht ordentlich geschlossen, wenn die Abstimmung über die Frage eines UNO-Beitritts im Parlament verschoben wor­ den wäre. Aufgrund der geschickten Regie des Landtagspräsidenten und des Regierungschefs (und weil die Abgeordneten keine Kenntnis von dem Vorhaben Hans-Adams hatten) erfolgte die Zustimmung des Landtages einhellig. Die Zukunft des Kleinstaates Die konzeptionellen Ausrichtungen und Politikvorstellungen Hans Adams können indes auch genereller interpretiert werden. Sie zentrieren in einer politischen Philosophie, die er in einer Rede aus dem Jahre 1987 im "Takino" in Schaan mit der Uberschrift "Die Zukunft des Kleinstaates" versehen hat.54 Insofern Hans Adam seinen Vortrag ein paar Tage zuvor schon in Feldkirch (Vorarlberg) gehalten hatte, reagierte er zunächst auf einige Kritiken. Seine Stel­ lungnahmen und Erläuterungen erlauben zugleich einige Rückschlüsse und geben Hinweise auf den monarchischen Stil des Thronfolgers: "Im Ausland, aber teilweise auch im Inland, wurde wie auch schon bei früheren Gelegen­ heiten nicht ganz verstanden, warum ich recht offen zu politischen Fragen Stellung nehme. Wer die Reden und Interviews meines Vaters gelesen hat, wird feststellen, dass auch er recht offen sich zu politischen Fragen geäussert hat. Vielleicht war aber damals das Interesse der ausländischen Medien an den Vorgängen in Liechtenstein weniger gross, als dies heute der Fall ist. Die liechtensteinische Monarchie ist von der Verfassung her keine Monarchie, die sich auf Repräsentationsaufgaben beschränken kann. Mein Vater und ich haben immer unsere Auf­ gabe so gesehen, dass wir in der Öffentlichkeit Fragen anschneiden, welche nach unserer Auffassung in der Tagespolitik zuwenig behandelt werden. Der Vorteil der Monarchie ist es, dass sie langfristigen Entwicklungen mehr Beachtung schenken kann und parteipolitisch keine Rücksichten nehmen muss. ... Natürlich kann man darüber diskutieren, wie weit ein Staatsoberhaupt bei der Behandlung politischer Fragen gehen soll. Jeder wird seine eigene Meinung dazu haben. In unserer Zeit wird der Politik häufig die mangelnde Transparenz und Offenheit vorgeworfen. Deshalb werde ich auch in Zukunft bei der Behandlung gewisser Themen weitergehen, als dies in der Vergangenheit vielleicht üblich war, darüber entscheiden kann ich nach bestem Wissen und Gewissen nur selbst, da ich auch die Verantwortung trage. 53 Ebd., S. 116. 54 Die Rede ist abgedruckt im Liechtensteiner Vaterland vom 11. November 1986: "Das Volk besitzt grosse Macht und Rechte in Liechtenstein". M Hans Adam von Liechtenscein, Die Zukunft des Kleinstaates. Vortrag im TAKino in Schaan vom 24. Januar 1987, Redemanuskript. 94
        

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