Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000060765/95/
Hans-Adam II. einer Goldmarie entwickelt" habe. Politisch dagegen sei man noch lange nicht aus diesem "Dornröschenschlaf" erwacht, sondern man sei (hinsichtlich des Zollvertrages zunächst mit Österreich, dann mit der Schweiz) in den letzten siebzig Jahren lediglich "von einem Ruck­ sack in den anderen" umgestiegen, ohne sich selbst grösserer konzeptioneller Anstrengungen auszusetzen." In seiner ersten Thronrede führt Hans Adam im Jahre 1984 u.a. aus, dass für Liechtenstein in den vergangenen Jahrhunderten "fast immer die reine Überlebensfrage im Vordergrund" gestanden habe, "sowohl für den Einzelmenschen wie auch für die Gemeinschaft. Im Unter­ schied zu vielen anderen Regionen kannte Liechtenstein keine Periode besonderen Wohl­ standes und war nie ein politisches Zentrum, das über seine Grenzen hinausstrahlte." Heute sei dies jedoch alles Geschichte; denn: "Aus dem Armenhaus Europas sind wir das Land mit dem höchsten Lebensstandard geworden. Liechtensteins Selbständigkeit wird nicht mehr in Frage gestellt. In internationalen Gremien können unsere Vertreter gleichberechtigt mit anderen unabhängigen Staaten ihre Stimme erheben."50 Hans Adam zeigt aber auch Verständnis für Kritik aus den Reihen der Jüngeren: "Natür­ lich erheben sich in der jüngeren Generation immer wieder kritische Stimmen gegen Aus­ wüchse der Wohlstandsgesellschaft, gegen Veränderungen der Umwelt, gegen die Politik der Parteien und der Regierung und so vieles mehr. Das soll aber kein Grund zur Beunruhigung sein. Im Gegenteil: fehlt jede Kritik, wird es erst beunruhigend. Es bedeutet entweder, dass der jungen Generation die Leistungen ihrer Väter vollkommen gleichgültig sind oder ihr Wille und Phantasie fehlt, das Vorhandene zu verbessern und das Erbe zu mehren." Man könne nicht voraussagen, ob "wir so erfolgreich sein werden wie die Generation unserer Väter" man habe "aber allen Grund, optimistisch in die Zukunft blicken zu können. Ein Kleinstaat, wie wir es sind, hat in einer Welt, die sich immer rascher ändert, viele Vorteile. Wir sind beweglicher und können uns auf neue Situationen rascher einstellen."51 Innenpolitische Probleme können unter diesen Bedingungen früh erkannt und schneller gelöst werden: "Die Regierung ist sehr viel näher am Volk als in einem grossen Staat und damit auch näher an der politischen Realität. Die Autonomie unserer Gemeinden, die Elemente der direkten Demokratie, die Struktur unserer Wirtschaft mit ihren vielfältigen Klein- und Mittelbetrieben sind alles wichtige Faktoren, die das Entstehen einer grossen und unpersön­ lichen Bürokratie fern vom Bürger bremsen. Folgender Ausspruch von Alt-Regierungschef Alexander Frick ist in die politische Literatur eingeflossen: 'Bevor eine Grossmacht von einem Problem erfährt, haben wir es schon halb gelöst'. Ebenso falsch wie es ist, pessimistisch in die Zukunft zu blicken, wäre es, die Gefahren zu unterschätzen, die einer kleinen Gemein­ schaft wie Liechtenstein drohen können. Es wird auch für uns Rückschläge und Enttäu­ schungen geben, auch wir werden Fehler machen, denn niemand ist unfehlbar. Aber solange wir aus Fehlern lernen und wir sie wieder korrigieren können, werden sie nicht zur Kata­ strophe."52 In seiner Thronrede vom 16. April 1986 brachte Hans Adam zunächst seine besondere Freude zum Ausdruck, "erstmals in der liechtensteinischen Geschichte eine Frau im Landtag begrüssen zu können" um dann auszuführen: "Der Vorteil des Kleinstaates ist, dass er dem Einzelnen mehr Möglichkeiten der Mitent­ scheidung einräumt. Andererseits hat der Kleinstaat den Nachteil, dass er stärker auf die Mit­ arbeit des Einzelnen angewiesen ist. Viele Aufgaben, die im grossen Staat vollamtlich gelöst werden, müssen bei uns im Nebenamt oder gar ehrenamtlich bewältigt werden. Die liechten­ steinische Bevölkerung sollte deshalb all denen dankbar sein, die aus idealistischen Motiven politisch tätig sind. Für die meisten ist dies mit finanziellen Opfern verbunden und einem "Liechtensteins politischer Dornröschenschlaf", in: Liechtensteiner Vaterland vom 15. September 1970, S. 1 f. w Titronfolge, S. 105 f. 5i Ebd., S. 106. « Ebd., S. 106 f. 93
        

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